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Joseph Beuys

Motto: Die frühen Zeichnungen in Form der späten Druckgraphik werden Initial und Schlussstein eines reflexiven künstlerischen Balanceaktes. ek

Zum zeichnerischen und druckgraphischen Werk

Sich mit Beuys zu beschäftigen braucht in manchem Mut, ist aber eine lohnende Sache. Nicht nur, dass man dadurch in sein Werk eintaucht, sondern auch, weil sich einem dadurch ein Spektrum von Erkenntnissen auftut der zeitgenössischen Kunst gegenüber, nicht zuletzt mit Rückwirkung auf das eigene Leben, auf die eigene Wahrnehmung. Der Arbeitsplatz wird kunstträchtig. Das nämlich verbirgt sich hinter dem längst plakativ gewordenen Ausspruch dieses Künstlers: dass jeder Mensch ein Künstler sei.

Beobachtungsgabe und sinnenhafte Wahrnehmung, Assoziationskraft und ungewohnte Kombinatorik vor dem Alltäglichen sind nur einer der auffälligsten Gewinne. Es gibt viele Wege, sich Beuys zu nähern, von Vorteil ist es, sich auch mit seinen theoretischen konzeptuellen Darlegungen zu beschäftigen. Einstieg bieten zahlreiche Publikationen, Bilddokumentationen und aufgezeichnete Interviews. Die Beschäftigung mit der Summa seines Wirkens über das Werkverzeichnis (Schellmann) macht deutlich, was für einen wichtigen Stellenwert den frühen Zeichnungen zukommt. Diese Notate stehen wie Zündfunken im direkten Kontakt zum gesamten Werk, das sich massgeblich aus Aktionen, Interventionen, Objekt-Multiples und Installationen zusammensetzt. Die frühen Zeichnungen, und fast alle hier gezeigten Lithos und Radierungen weisen dahin, sind der direkte Draht zum bildnerischen Bewusstsein, zur Quintessenz eines souterrainen Wissens, aus dem sich das schöpferische Potential konstelliert hat. Dass durch die Umsetzung in Graphiken gerade diese kostbare Luzidität vermittelt wird, ist das Verdienst des Grafos Verlages. Dem Ansinnen kam der Künstler gern entgegen, war es ihm doch dran gelegen, die Skizzen der späten 40er und der 50er Jahre im Zusammenhang darzulegen. Joseph Beuys wusste um das Geheimnis dieser frühen Arbeiten. Die frühen Zeichnungen in Form der späten Druckgraphik werden Initial und Schlussstein eines reflexiven künstlerischen Balanceaktes. Beginnend bei einzelnen Blättern verbindet sich die Spur mit dem Werkganzen bis hin zu den allerletzten Arbeiten 1985.

Diese Blätter verzweigen sich zueinander hin und bestehen doch unabhängig von einander in ihrer ureigenen kontemplativen und assoziativen Kraft. Momente der Wahrnehmung und Inspiration. Meisterwerke der Zeichnung und Graphik, Kabinettstücke des 20. Jahrhunderts. Blätter, die allein schon durch die intime Zwiesprache des Künstlers mit seinem Gegenstand zu überzeugen wissen. Die Zeichnungen entstehen auf direktestem Weg. Kein grädendes Prozedere. Der Arbeitsvorgang bleibt transparent bis zum Grund. Pinsel in allen Grössen, Federn, Bürsten dienen als Werkzeug. Die drei ersten Graphiken von Beuys im Grafos Verlag wurden bei Matthieu Zürich gedruckt, wie das für viele Blätter des Künstlers zutrifft. Später folgte die Zusammenarbeit mit dem Atelier Barbarà in Barcelona. Auch hier wurden in kongenialer Umsetzung die Skizzen von Joseph Beuys auf Stein und Kupferplatte gebracht, selbst die Ausstrahlung der ursprünglichen Papierbeschaffenheiten wurde durch Aufwalzen von Papieren und Kombinieren der Drucktechniken Teil des Werks. Erhalten hat sich in der Druckgraphik die hohe zeichnerische und malerische Dichte, die Unmittelbarkeit und die Flüchtigkeit der Erscheinung. Das Augenblickliche gewinnt in Beuys' Schaffen zentrale Wichtigkeit. ek


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Letztes Update: 31.03.08;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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