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Salvador Dalí
Motto: 'Aber wie im Leben so ist auch
beim Träumen Methode alles' Salvador Dalí
Zum Werk von
Salvador Dalí
'Aber wie im Leben, so ist
auch beim Träumen Methode alles...' Dalí schuf Bilder mit Fetischcharakter. Er
beförderte ein Stück menschlicher
Befindlichkeit zutage, Widersprüchlichkeit und nicht zuletzt ein Stück Geschichte
des Mannes. Diese Geschichte wurde auf Papier und Leinwand
inszeniert und wurde zur Realität in den Armen der Halluzination. Seine Frau Gala,
Gradiva, die Vorwärtsschreitende, wie er sie nannte, war ihm
Realistin und Muse, Heilerin und Schatten zugleich, die Hauptrolle aber in dem Stück
spielte Dalí selbst, und begonnen hatte alles schon in der
Kindheit, in Figueras. Dalís Autobiographie beginnt mit dem Satz: 'Im Alter von sechs
Jahren wollte ich Koch werden, mit sieben wollte ich
Napoleon sein, und mein Ehrgeiz ist seither stetig gewachsen.' Dalís Leben gab
für viel Klatsch und Skandale Anlass, und das amüsierte ihn und
auch in seinen Bildern setzte er viel daran, Zweideutigkeit zu proklamieren. Zahlreiche
Biographien und Dokumentationen belegen das
Phaenomen seiner Popularität. Er war ein hervorragender Zeichner, Maler und
Beobachter und Phantast. Seine Autobiographie hatte Dalí in der
Mitte seines Lebens verfasst, noch nicht vierzigjährig. 'Das geheime Leben des Salvator
Dalí', schon 1942 in New York erschienen, ein höchst
lesenswertes Buch, bezeugt, dass er genau um den Schatz gewusst hat, der zu bergen war, und
nichts wollte er davon verloren geben.
Dalí wurde zum offenen Buch seinerselbst.
Das Hauptwerk entstand früh, 1925-1941. Damals erschuf Dalí sein stupendes
bildnerisches
Vokabular surrealer Kunst, Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, und zugleich sind da Parallelen
zu den grossen Malern der Renaissance und des
Manierismus bis hin zu Bosch. Dalí wollte das Traumbild, die Imaginationen des
Unterbewussten fest an die Realität gekoppelt sehen, und das
geschah, indem er es hyperrealistisch malte. Er wollte das Irreale auf derselben Ebene wissen
wie das Reale. Nicht Kampf den Chimären war
angesagt, im Gegenteil, mit Grandezza wusste er das Defilée der Chimären zu
dirigieren. Er verstand es über Extreme und Verzerrtheiten zu
verhüllen und zu offenbaren, und oft wusste man nicht mehr, war es das eine oder das
andere.
Dalí zehrte bis ans Lebensende von seinen
frühen Einsichten und Verkörperungen. Seine Exzentrik wurde zum Kult, den er
von Kind an bewusst
in Szene setzte. Er war ein genialer Spieler. 'Ich habe nie die Geschwindigkeit verstanden, mit
der ich populär wurde.' Es ist möglich, dass sein
schöpferischer Born, was die bildnerische Inventionen betraf,
verhältnismässig früh erlosch. Er verstand es aber, virtuos und
unerschöpflich seine
frühe Bildschöpfungen zu verwenden und zu verwandeln. Am deutlichsten wird
dies in seiner Graphik. Eine Graphik von Dalí zu besitzen, heisst
an sein Werk anknüpfen.
Dalí war ein Genie der Kombinatorik. Hatte er
insgeheim gewusst, dass zu jenem Zeitpunkt, da er seine Autobiographie schrieb und Europa in
Flammen stand, sich sein Hauptwerk schon vollendet hatte? Von nun an begann eine Art der
bildnerischen Archiv-Verwaltung, wenn man das so
nennen darf. Dalí schöpfte nun aus Bestehendem. Ein Neues aber kam hinzu:
Dalí wurde zum virtuosen Illustrator. Davon profitierte vor allem
das druckgraphische Werk. Und dieses machte Dalí - abgesehen von seinen
spektakulären Auftritten - in aller Welt bekannt.
Wer sich in Dalís Werkentwicklung
einarbeiten will, dem stehen neben den Werkverzeichnissen eine unerschöpfliche
Publikationsvielfalt zur
Verfügung. Und deutlich wird, alles mündete im Selbstporträt: Das
Erscheinen der Heuschrecke, der Krücken, des kleinen Buben, der geliebten
Gala. Dalís Biographie kondensierte sich in den Bildern und die Bilder flossen in sein
Leben. Sarkasmen um Leben und Tod, um Liebe und Manie
werden zum Dalínischen Stil. Dalí war der revolutionäre akademische
Maler. Der Umgang mit den Surrealisten in Paris hatte Dalí gleich schon
auf seinem ungewöhnlichen Weg bekräftigt (auch der Filmer Buñuel
gehörte zu den Impulsgebern mit hinzu). Dalí schuf Fetische,
Verkörperungen aktiver Imagination.
Der Fels, der Damenschuh, der Frauenrücken,
der Schatten, die Verstümmelungen und Staffagen erotischer Auswüchse und
Schreckgespenster,
Metamorphosen des Narziss. Eine frühe Zeichnung zeigt Gala als Kind auf dem Einhorn
seines Schicksals. Die Begegnung mit Gala habe ihn vom
Wahnsinnig werden gerettet. Gala war Veränderungen offen und griffig mit dem Leben.
Griffiger als es seine Phantasmen waren. Die sonderbaren
Krücken, wie er sagt, malte er in seine Bilder, um das, was sich von allein nicht halten
kann, um das Halluzinatorisch-Verzückte zu unterstützen.
Das Irreale braucht eine Stütze, um sich im Leben zu halten, und so wird die
Krücke zum evokativen schöpferischen Zauberstab, so wie alles
zum Szepter seines Königreichs erhoben wird. Dalís Angst vor der Leere wusste
der Künstler mit Gestaltungen zu füllen, mit dem 'Flitterkram
meiner Verrücktheit', wie er von sich selbst sagte. Dalí müsste nicht
Spanier sein, wenn Don Quijote nicht früh in seine Bilder getreten wäre.
Dalí
war auch Spanier genug, um den Bürgerkrieg vorauszuahnen, und der Ahnung gab er
Gestalt.
Die grossartige schroffe Küstenlandschaft mit
ihrer phantastischen Steinbildung rund um Figueras, Cataques und Port Lligat wusste
Dalí ins Bild
zu bannen, er schuf daraus seine Wüsten und Zeitlosigkeiten. Die weite des Horizontes
wurde ihm Inspiration. Kaum ein Bild, wo im Hintergrund
nicht eines der Landschaftselemente aufschiene, oder wo nicht ein Landschaftselement
surrealer Verwandlung unterliegen würde. Der Mensch
blieb dabei Zentrum,
ob Regentaxi mit Mannequin und Burgunderschnecke,
Maske aus Rosen oder Hummertelefon. 1940 sah Dalí seine exzentrische Phase als
abgeschlossen an. Er war durch seine Aktionen zum Vorreiter der Aktionskunst geworden, ein
Schausteller des Surrealen war er zeitlebens.
Dalí verstand es, Extreme zu konfrontieren,
das Psychische bildhaft miteinzubeziehen und alles in die Morphologie seines
Formverständnisses
einzulösen. Der Stachel des Reizes sass ihm tief im Fleisch. Die Frau ist so sehr Objekt
wie Hort der Verehrung. Da und dort triumphiert der
Hermaphrodit. In manchem ein masochistischer Zug. Alles in allem ein Flirt mit den
Lüsten. Eine mit Selbstironie gepflegte Lust, sich und sein
Publikum zu befriedigen. ek
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