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Piero Dorazio

Motto: 'Licht und Schatten, ineinanderspielend hüllen sie mein Leben ein.' Piero Dorazio

Zum Werk von Piero Dorazio

Von parallelgesetzten Zeichenformationen ausgehend, gelangt Dorazio zu den Netzstrukturen aus Streifen und Balken. Das Wasser, die Spiegelungen sind ihm immer wieder unmittelbare Anregungen, womit als Initialfunken ein impressionistisches Moment seine Visionen und Reduktionen mitbestimmt. Seit den 70er Jahren entstehen Arbeiten aus breiten Farbbändern, die sich allmählich aufsplittern in kleinteilige, teils gestrichelte Bahnen, oder sie formieren sich, wie in den 90er Jahren, zur bogenförmigen Streuung und Auflösungen, zur Spiralform, zur senkrechten und besonders zur schlichten waagrechten Staffelung.

Das Licht und die Dichtung haben in Dorazios Bildvisionen Platz, ohne metaphorisch zu wirken. 1945-1946 hatte er die Poetik-Vorlesungen des grossen italienischen Dichters Giuseppe Ungaretti in Rom besucht, und die Freundschaft blieb bis zum Tod des Dichters lebendig. Dies ist nur eine der Künstlerfreundschaften, die Dorazio zu pflegen wusste. Wer Dorazios Biographie liest, entdeckt, dass für ihn die Begegnung mit Künstlern und Literaten seiner Zeit von grosser Bedeutung blieb. Piero Dorazio lebt etwas von dieser Vernetztheit - und ist ein lebendig engagierter Reflektor der Kunst, nicht nur selbsttätig, sondern auch indem er sich seit 1948 auf vielfältigste Weise als Kunstberichterstatter einsetzt. So war er auch Mitbegründer von Künstlergruppierungen und schuf der Kunst ein Forum, wo immer möglich. Wenn wir ihm auf den Fersen bleiben wollen, ist es gut, seinen Aktivitäten nachzuspüren und dies seit den Anfängen. Die Begegnung über die Jahre gesehen mit Künstlern aus aller Welt erscheint wie ein emsig frequentiertes Bienenhaus.

Angefangen hatte es mit der Gruppe 'Arte Sociale' 1946, zu der sich Dorazio, Buratti, Guerrini, Muccini, Perilli und Vespignani zusammengefunden hatten, und eines folgt dem anderen auf den Fuss wie die Biographie zeigt. Im Zentrum steht, was Dorazios' Werk betrifft, die Malerei. 1952 entstehen die ersten weissen Holzreliefs. Erst 1955 wendet sich Dorazio wieder der Malerei zu. An der Biennale von Venedig 1956/ 1960 ist er mit monochromen, dann struktural organisierten Bildern vertreten. 1958 finden sich die ersten feinen Rasterstrukturen ein. Verwandlung folgt auf Verwandlung. Nach der Documenta II Kassel Aufenthalt in Paris.

Dorazio wird auch auf der pädagogischen Ebene der Kunstvermittlung tätig. Atelier für experimentelle Keramik, Unterricht am Positano Art Workshop (1956); 1960 bis 1970 Gastdozent, dann Professur an der Graduate School of Fine Arts in Philadelphia. Atelier phasenweise in New York. 1964-1969 Gastvorlesungen in den USA an verschiedenen Universitäten und Instituten. Es folgen 1977 zwei Jahrzehnte intensiver Ausstellungsaktivitäten in Museen und hochstehenden Galerien.1996 Präsident des Art Club, der Internationalen Vereinigung der italienischen Künstler. Im selben Jahr erscheint das Werkverzeichnis: Piero Dorazio. Das druckgraphische Werk 1962-1995, Band I Die Radierungen.

Dorazio vergleicht seine Kunst der Musik, er sieht die Melodik und Rhythmik, den Klang und den Hall, die Organisation und das Phänomen des nicht Fassbaren.

Letztes Update: 31.03.08;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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