Oskar Kokoschka
Das Angebot des Grafos Verlages
| In einem Katalog
mit Werken der Fondation Oskar Kokoschka zeigt sich 1967 auf einer Photographie
der Maler vor seinem Aquarell stehend, mit nassem zugespitztem Japanpinsel,
neben ihm der Aquarellkasten. Mit der linken Hand hält er das aufgespannte
Büttenblatt darauf erkennbar eines der Blumenstücke. In diesen
Zeitraum (1960-1969) fallen die hier als Lithographie vorliegenden späten
Aquarelle. Der Maler bleibt darin ungewöhnlich gegenwärtig. Kokoschka
war angetrieben, sich bis zuletzt ein künstlerisches Ringen zuzumuten,
selbst wenn sich die Kraft nur dosiert geben konnte. Dem kam das auf Raschheit
aufgebaute Aquarell entgegen, die Geistesgegenwart, die kondensierte Erfahrung
des Blicks. Der Garten vor der Tür malte mit: |
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Blumenstrauss mit Mannstreu |
Blumen gab es im Garten
von Villeneuve viele, und der Maler hat mit ungeteilter Aufmerksamkeit
seine Blumen zu betrachten gewusst, so wie ihm weder das Antlitz seines
Freundes Sviatoslav Richter noch das geliebte Gesicht seiner Frau Olda
zu jener Zeit entgangen war. Die Porträtkunst verlor für ihn
nie an Faszination, und ein wenig gehörten dazu auch die Blumen.
Es gibt ein Bild von 1935/37, das vergleichbar ist mit Bonnards impressionistisch-räumlicher
Farbigkeit und das zugleich glüht vor Expressivität: Olda im
Garten porträtiert, auf der Brust einen Blumenstrauss. Es ist eines
jener 'privaten', persönlich gebliebenen Gemälde. Olda, das
war seine damals künftige Frau, mit der er 1938 die Flucht von Prag
nach London wagte. Schon 1953 hatten die beiden für immer Wohnsitz
in der Schweiz genommen. Noch 1973 malte Kokoschka leuchtende Blumensträusse,
er malte seine Iris und Feuerlilien. Der Werkbiograph Hans M. Wingler
schreibt: 'Kokoschkas Temperament drängt - in Intervallen - immer
wieder zur Skizzenhaftigkeit der Lithographie. Das druckgraphische Werk
ist, in den späten wie in den frühen Jahren, Lebens-Spiegelung,
Reflex eines Weltbildes, das auf dem Erlebnis beruht.' Blumenstrauss
mit Mannstreu, 1960 (Wvz Wingler 529, "Sommerblumenstrauss
mit Mannstreu");), das ist ein kostbares Blatt europäischer
Malerei. Kongenial in Steindruck umgesetzt erscheint es im Grafos Verlag
als grosszügige Lithographie von 20 Steinen gedruckt. Eine die Vollkommenheit
der technischen Möglichkeiten und Wirkung bestätigende Leistung,
als wären die Pinselstriche soeben aufs Blatt gesetzt worden. Es
muss hier nicht verleugnet werden, dass diese Aquarelle vom Künstler
nicht schon als Lithographien intendiert oder konzipiert worden sind.
Das Werkverzeichnis bestätigt jedoch diese späten Originalgraphiken
und honoriert die hochkarätige Transposition auf Stein noch unter
der kritischen Kontrolle des Künstlers.
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Schwertlinienstrauss |
Die Vorbehaltslosigkeit,
mit der Oskar Kokoschka dieses spät entstandene Aquarell Schwertlinienstrauss
(1969, Orig. Titel Wingler: Gelbe und violette Iris) in seiner strahlenden
fragilen Luftigkeit auf helles chamoisfarbenes Japanpapier gesetzt hat,
verrät seine Meisterschaft (Kokoschka war 1969-83 Jahre alt). Und
nichts ist davon verloren gegangen in dieser Lithographie in 16 Farben
von 14 Steinen für Grafos gedruckt (Wvz Wingler 528). Kokoschkas
letztsigniertes Blatt. Véronique Mauron schreibt: ' Die Aquarelle
der letzten Schaffensperiode verstärken das charakteristische Merkmal
dieser Technik: das Licht. Bestechen die Dresdner Werke durch die Intensität
der Farben und die expressive Verwendung des Kontrasts zwischen den Komplementärfarben,
so bezaubern diejenigen der sechziger und siebziger Jahre das Auge durch
die Schönheit, die Pracht der Farbgebung. Ob Kokoschka unter den
Blütenblättern und in den Blütenkronen ein Symbol, eine
Allegorie verborgen hält?' Eine Frage, die hier offen bleiben soll.
ek
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