Grafos Home Künstlerliste Graphikliste Oskar Kokoschka Biographie Sein Schaffen

Vorheriger Künstler (Miguel Ibarz) Nächster Künstler (Ramon Llovet)

Oskar Kokoschka

Das Angebot des Grafos Verlages

      In einem Katalog mit Werken der Fondation Oskar Kokoschka zeigt sich 1967 auf einer Photographie der Maler vor seinem Aquarell stehend, mit nassem zugespitztem Japanpinsel, neben ihm der Aquarellkasten. Mit der linken Hand hält er das aufgespannte Büttenblatt darauf erkennbar eines der Blumenstücke. In diesen Zeitraum (1960-1969) fallen die hier als Lithographie vorliegenden späten Aquarelle. Der Maler bleibt darin ungewöhnlich gegenwärtig. Kokoschka war angetrieben, sich bis zuletzt ein künstlerisches Ringen zuzumuten, selbst wenn sich die Kraft nur dosiert geben konnte. Dem kam das auf Raschheit aufgebaute Aquarell entgegen, die Geistesgegenwart, die kondensierte Erfahrung des Blicks. Der Garten vor der Tür malte mit:


  
Blumenstrauss mit Mannstreu
  
 Blumen gab es im Garten von Villeneuve viele, und der Maler hat mit ungeteilter Aufmerksamkeit seine Blumen zu betrachten gewusst, so wie ihm weder das Antlitz seines Freundes Sviatoslav Richter noch das geliebte Gesicht seiner Frau Olda zu jener Zeit entgangen war. Die Porträtkunst verlor für ihn nie an Faszination, und ein wenig gehörten dazu auch die Blumen. Es gibt ein Bild von 1935/37, das vergleichbar ist mit Bonnards impressionistisch-räumlicher Farbigkeit und das zugleich glüht vor Expressivität: Olda im Garten porträtiert, auf der Brust einen Blumenstrauss. Es ist eines jener 'privaten', persönlich gebliebenen Gemälde. Olda, das war seine damals künftige Frau, mit der er 1938 die Flucht von Prag nach London wagte. Schon 1953 hatten die beiden für immer Wohnsitz in der Schweiz genommen. Noch 1973 malte Kokoschka leuchtende Blumensträusse, er malte seine Iris und Feuerlilien. Der Werkbiograph Hans M. Wingler schreibt: 'Kokoschkas Temperament drängt - in Intervallen - immer wieder zur Skizzenhaftigkeit der Lithographie. Das druckgraphische Werk ist, in den späten wie in den frühen Jahren, Lebens-Spiegelung, Reflex eines Weltbildes, das auf dem Erlebnis beruht.' Blumenstrauss mit Mannstreu, 1960 (Wvz Wingler 529, "Sommerblumenstrauss mit Mannstreu");), das ist ein kostbares Blatt europäischer Malerei. Kongenial in Steindruck umgesetzt erscheint es im Grafos Verlag als grosszügige Lithographie von 20 Steinen gedruckt. Eine die Vollkommenheit der technischen Möglichkeiten und Wirkung bestätigende Leistung, als wären die Pinselstriche soeben aufs Blatt gesetzt worden. Es muss hier nicht verleugnet werden, dass diese Aquarelle vom Künstler nicht schon als Lithographien intendiert oder konzipiert worden sind. Das Werkverzeichnis bestätigt jedoch diese späten Originalgraphiken und honoriert die hochkarätige Transposition auf Stein noch unter der kritischen Kontrolle des Künstlers.  
  
  
Schwertlinienstrauss
  
 Die Vorbehaltslosigkeit, mit der Oskar Kokoschka dieses spät entstandene Aquarell Schwertlinienstrauss (1969, Orig. Titel Wingler: Gelbe und violette Iris) in seiner strahlenden fragilen Luftigkeit auf helles chamoisfarbenes Japanpapier gesetzt hat, verrät seine Meisterschaft (Kokoschka war 1969-83 Jahre alt). Und nichts ist davon verloren gegangen in dieser Lithographie in 16 Farben von 14 Steinen für Grafos gedruckt (Wvz Wingler 528). Kokoschkas letztsigniertes Blatt. Véronique Mauron schreibt: ' Die Aquarelle der letzten Schaffensperiode verstärken das charakteristische Merkmal dieser Technik: das Licht. Bestechen die Dresdner Werke durch die Intensität der Farben und die expressive Verwendung des Kontrasts zwischen den Komplementärfarben, so bezaubern diejenigen der sechziger und siebziger Jahre das Auge durch die Schönheit, die Pracht der Farbgebung. Ob Kokoschka unter den Blütenblättern und in den Blütenkronen ein Symbol, eine Allegorie verborgen hält?' Eine Frage, die hier offen bleiben soll. ek
  

Letztes Update: 31.03.08;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

Vorschläge, Kritik und Anmerkungen bitte an: !