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Joan Miró
Motto: Joan Miró, das ist die Sprache der
Trauer wie der Freude, des Zorns wie der Poesie, des Banns
wie der Befreiung...
Zum Schaffen von
Joan Miró
Mirós Werk ist einfach und komplex zugleich.
Ganz am Anfang stehen die Malerei, die Zeichnung und die Druckgraphik. 1929 erfolgen erste
plastische Arbeiten, seit 1944 die Zusammenarbeit mit dem Keramiker Artigas. Erst 1966 hatte
Miró begonnen, die Bronze in sein plastisches
Schaffen miteinzubeziehen, die Assemblagen aus Fundobjekten erfuhren ihre dauerhafte
Verwandlung. 1972 kamen erste Textilarbeiten hinzu. Ein
Meilenstein für die Aufarbeitung des Werkes ist die 1971 gegründete
Fundació Joan Miró, die 1975 auf einer Anhöhe über Barcelona
für die
Öffentlichkeit eingeweiht wurde. Der Architekt ist Josep Lluis Sert, derselbe Architekt,
der auf Mallorca 1956 Mirós Atelierhaus Son Abrines bei
Palma errichtet hat, wo Miró bis ins hohe Alter von 90 Jahren tätig sein sollte.
Die Fondació Miró umfasst u.a. die Sammlung der Skizzenbücher,
Skizzen, Gemälde, Skulpturen, Textilarbeiten und eine vollständige Sammlung
aller von Miró geschaffenen druckgraphischen Blätter.
Joan Mirós Name ist in aller Munde, und man
verbindet damit eine Kunstform, die heiter und unbeschwert sich im Raum behauptet. Linien,
Farben und Flecken, assoziierbar mit Augen, Armen, Brüsten, Lippen, Monden, Sonnen,
Sternen. Dass diese Welt aus Tieren und Menschen,
Gewächsen und Metamorphosen eine zu entdeckende Sprache ist, mag erstaunen. Es ist
die Sprache der Trauer wie der Freude, des Zorns wie
der Poesie, des Banns wie der Befreiung. Miró schuf unbeirrt und mit introvertierter
Kontinuität ein komplexes Universum. Dabei spielt das
Wechselspiel von Bild und Skulptur eine nicht unwesentliche Rolle. Er war ebenso Plastiker
wie Maler. Seine Formen erobern sich den Raum mit
der gleichen Direktheit wie die Malerei. Über alle Jahre hinweg entstehen umfangreiche
graphische Zyklen: Lithographien, Radierungen und
Holzschnitte. Manche Lithographien wurden zu Plakaten ausgearbeitet, Pamphlete einer
künstlerischen Haltung, die sich auch sozial engagiert
sah, ohne deshalb vom Feld der künstlerischen poetischen Form abzuweichen.
Politische Situationen zwangen den Künstler oft
zum Wohnsitzwechsel. Von Paris 1935 zurück nach Barcelona und 1936, beim Ausbruch
des
Bürgerkrieges wieder zurück nach Paris. Mirós Solidarität mit
Katalonien spiegelt sich in vielen Arbeiten, bis über die Franco-Ära hinaus,
Anklage und Aufruf manifestierten sich in seiner Malerei, im Plakat und Bühnenbild.
Hierzu zählen die Gestaltungen rund um Alfred Jarrys Ubu
Roi, zum Thema stand die missbrauchte Macht. In zahllosen Zeichnungen und graphischen
Suiten hat Miró dieses Motiv eingezingelt. Seine
Kunst wurde zur Kunst des Widerstands und der Gewaltlosigkeit.
1939 nehmen Francos Truppen Barcelona ein. Von
1939 bis 1944 arbeitet Miró in der kleinen Druckwerkstatt von Montroig an der
berühmten
Barcelona Serie, es entstehen dazu 50 Lithographien. 1940 beginnt er in Varengeville den
Bilderzyklus der Constel-lacions. Der Einmarsch der
deutschen Truppen zwingt ihn, Frankreich zu verlassen. Mallorca wird zu seinem
endgültigen Wohnsitz. Seit der Kindheit verbrachte Miró den
Sommer in der Provinz Tarragona (Montroig, Herkunftsort seines Vaters) oder auf Mallorca
(Herkunftsort seiner Mutter). Diesen
Arbeitsrhythmus behielt er auch später bei. Die Landschaften reflektieren sich in seinen
Bildern.
Nicht nur die Druckgraphik hat Miró weltweit
bekannt gemacht, auch die monumentalen Auftragsarbeiten. 1944 beginnt eine dauernde
Zusammenarbeit mit dem Keramiker Josep Llorens i Artigas, Freund, den er seit seiner Jugend
kennt. Fortan werden Keramikwände und
Skulpturen realisiert. 1947 verbringt Miró acht Monate in New York. Dort erscheint.
die Radierungsfolge zu Tristan Tzaras L'Antitête. 1929
hatte er schon die Lithographien zu Tzaras l'Arbre des Voyageurs geschaffen. Nur eines von
vielen Beispielen der Zusammenarbeit mit Dichtern
und Schriftstellern. Ende der 40er Jahre kommt es zum Kontakt mit der Galerie Maeght,
Ausstellungen und Editionen bereichern fortan auf
hohem Niveau das Wirken des gereiften Künstlers, was sich an dieser hier gegebenen
Auswahl ablesen lässt. Deutlich wird auch, dass der Dialog
zwischen Künstler und Literaten bis in die späte Schaffensphase nicht an
Intensität verliert.
Miró ist es gelungen, jene Heiterkeit zu
erwirken, die dem Ernst am nächsten steht. Das Kleine verleugnet in Mirós
Kunst nie seine grosse
Dimension. Er mochte sich in die Wiesen von Montroig verbergen und deren
Bevölkertheit beobachten, Biene, Zikade, Vogel, Wurm, er lauschte
optisch. Seit 1930 beschäftigte ihn die chiffrierten Attribute des Weiblichen. Erotik und
Poesie, Sinnlichkeit und Humor gehen ein Bündnis ein.
Der Himmel und die Erde, das war sein Thema. Miró begegnete aller
Lebenserscheinung mit tiefer Ehrfurcht. Davon wurde auch Mirós
mikroskopisch vergrösserndes Auge bestimmt. Mit seiner Malerei schien er das Fragile
wie das Bedrohliche adäquat begrüssen zu wollen. Er
wurde zum Magier und Schamanen eines irdischen Kosmos und des kraftvollen Raums. Das
war seine Kommunikation mit dem Leben und der
Ursprung seiner Poesie.
Miró zog die Bilder wie Gewächse, in
dem Sinne war er ein Gärtner, darin glich er Paul Klee. Die Komposition erwuchs
weniger aus dem
Konstrukt als aus dem organischen Verständnis. Miró liess sich
überraschen, und das Staunen und das Erschrecken vor den Chiffren und Zeichen,
die unter seiner Hand hervortraten, erhielt er sich bis ins hohe Alter als schöpferische
Kraft. Ganz spät noch liess er aktuellste Kunstströmungen in
sein Werk einsickern. In den Radierungszyklen der Lapidari und Rupestres (hier im Angebot)
sind z. B. Anteile informeller Kunst zu spüren. Die
Limpidität seiner Expression hat er sich zu bewahren gewusst. Und nicht von
ungefährt erteilt Michel Leiris in seinem berühmten Essay von 1947
den Ratschlag: 'Den Werken ohne Vorurteil zu begegnen und die Augen in sie einzutauchen als
wäre es klares Wasser, die Pupillen damit
reinzuwaschen'. Jahre später, 1970, schreibt Michel Leiris von einer speziellen
Ausdruckskraft des Kindes, die ausschlaggebend ist. Er spricht von
der Kindheit dieser Welt, nicht von der persönlichen, der Kindheit des Künstlers,
wenn er sagt: 'Es ist die Hand selbst, die die Intelligenz
verkörpert und nicht die Hand, die von einer Intelligenz geführt werden muss'.
Diese Äusserungen führen ins Zentrum des Werkverständnisses.
Leiris schreibt auch vom kaleidoskopischen Spiel der unendlichen Möglichkeiten.
Miró wusste, dass alles Sinn erhält, und dass keine Grenze
besteht zwischen dem Figurativen und dem Nicht-Figurativen. Miró hatte Rudimente
einer Zeichensprache ans Licht geholt, die nicht allein an die
westliche Welt gebunden war. Die Kunst des Neolithikums, der Felszeichnungen und die
Kinderzeichnung waren ihm ernstzunehmende Grössen.
Miró verstand es, etwas von der Harmonie der Sphären herbeizurufen, und er tat
es im Umgang mit Linien und Struktur, Rhythmen, Gebärden,
Formen und Volumen, Assoziationskraft und Ausstrahlung.
(ek)
Zur Graphik von Joan
Miró
Im Agglomerat seines
Lebenswerkes nimmt die Druckgraphik einen bedeutenden Rang ein. In den
Werkverzeichnissen zu den Lithographien und
den Radierungen sind die gesamten Folgen bis 1972 abgebildet, auch Zustandsdrucke, was das
optische Erlebnis als Prozess im Spiegel der
Druckgraphik aufs Lebendigste dokumentiert. Für Editionen nach 1972 fehlt das
Werkverzeichnis noch, dieses ist in Vorbereitung. In Les Cahiers
d'Art von Zervos erscheint 1930 die erste Lithographie von Miró. Im gleichen Jahr
werden auch die Illustrationen zu Tristan Tzaras l'Arbre des
Voyageurs publiziert. 1930 und 1939 arbeitet Miró zahlreiche Blätter in Kupfer
aus. Es ist Braque, der ihn anregt auf Umdruckpapier die
Lithographie vorzubereiten, ein Rat, dem Miró bald einmal folgt. So entstehen
während des Rückzugs in Montroig - unterstützt von seinem
Kameraden Joan Prats, der hiermit zum Verleger wird - die ersten lithogaphischen Folgen in
Kleinst-Auflage. Die Zeit des 2. Weltkrieges hatte
Miró in Barcelona, Palma de Mallorca und Montroig verbracht. 'Kaum war der Krieg
zuende begab er sich wieder nach Paris - hier nun
entdeckte er wirklich die Lithographie - zusammen mit einem der besten Drucker Frankreichs:
Célestin. Während Mirós Aufenthalte in Paris
widmet der Künstler seine ganze Zeit dem Lithographieren. Wichtige Zyklen entstehen,
die fast alle von Aimé Maeght verlegt worden sind. 1948
erste grosse Ausstellung in seiner Pariser Galerie' (vgl. Fernand Mourlot, Joan Miró,
Litógafo, Ediciones Polígafa, S.A. Barcelona).
Die Plakatkunst, war ein Feld, das Miró
faszinierte, auch der Verbreitungsmöglichkeit wegen. Das Plakat als das direkte Fenster
zum kulturellen
Leben. Noch vor der Beschriftung wurden die von Miró gezeichneten Lithosteine in
limitierter Auflage gedruckt, und vom Künstler numeriert,
signiert - oder andernfalls mit Stempel versehen. Ganze Ausstellungen liessen sich über
Mirós lithographierte Plakat-Motive bestücken. Plakate
begleiten seinen Weg und verbinden seine Kunst mit Ort und Zeit. Im Angebot des Grafos
Verlages stehen noch einige eindrückliche Beispiele
zur Auswahl, hier ein Überblick ohne Vollständigkeitsanspruch:
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