Victor Vasarely
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Vaduz darf auf eine stolze Auswahl an Druckgraphiken von Victor Vasarely
blicken, darunter von den wichtigsten, schönsten Blättern. In
dieser Zusammenfassung mag sich eine Werkentwicklung abzeichnen, die hilft,
das einzelne Blatt im Ganzen einzuordnen und zu entschlüsseln. |
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Zébre No. 1 Zébre No. 2 |
Bereits schon
als Kind spielte Vasarely gern mit optischen Phänomenen. Schon1938
frappierte ihn der Tiefeneffekt vor dem optischen Eindruck, den die Tuschmalerei
Zebra (1938) heraufbeschworen hatte. Viele Jahre später
sollte er nochmals darauf zurückgreifen (vgl. z.B. Serigraphie Zébre
No. 4, 1984). '1930 in Paris angekommen, hatte ich ein solides Handwerk
vorzuweisen. Ich war ein versierter Zeichner mit einer untadeligen Technik',
schreibt Vasarely in seiner Monographie. Etwas später (1933-1938) verleiten
ihn die verspielten Streifen des Zebras (aber auch Tänzerinnen, Roboter
und Harlekin) zur optischen Kinetik, und, wie er es nannte, zur Kunst der
'Augentäuschung'. In Zebra
No. 2 beispielsweise wird das Tier Teil der sich diagonal durchs
Bild ziehenden Kraftlinien und Schraffur, ein universelles Schwingungszentrum
reflektiert sich in der graphischen Textur.
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G-Linn |
Der Zyklus
Schwarz-Weiss entstand 1951-1963. 'Darin interessierte den Künstler
die Zweidimensionalität. 'Die diametralen Negativ-Positiv Positionen,
welche die Netzhaut in wirksame Schwingung versetzen.' Mitte der 50er Jahre
übte die flächige Komposition eine besondere Anziehung auf Vasarely
aus. Im Siebdruck G-Linn
(Form- und Farbharmonien, Monografie Bd. 1) interessierte ihn die
Geometrie aus komplementären Grössen: die Zerlegung des Kreises.
Im Zyklus hommage an Malewitch hingegen
kommt das Quadrat ins Spiel. Malewitch hatte mit seinem schwarzen Quadrat
die Malerei radikal in Frage zu stellen gewusst. Dem wollte Vasarely etwas
entgegenhalten. 'Quadrat - Raum - Bewegung - Zeit': das waren für Vasarely
die vier ausschlaggebenden Faktoren. Vasarely arbeitete in gleichzeitigen Zyklen. Er teilte sie auf in die graphischen und die geometrischen Forschungen: Zu nennen sind: Denfert, Belle-Isle, Cristal-Gordes, homage à Malewitch, Schwarz und Weiss. Es folgen die Gitter- und Tiefenbilder. |
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Siris Kek Santorin |
'Erst 1948 zeichnete ich meine ersten 'Denfert' Zeichnungen.' Die Bahnhofstation Denfert-Rocherau liegt nahe Arcueil. Hier hatte Vasarely über 30 Jahre gelebt, und hier hatte er die strukturierten Fliesen mit ihren Krakelüren entdeckt, die ihm erste Anregungen boten. Sein Hauptanliegen zwischen 1946 und 1960 war in den 'Geometrischen Forschungen' die Vernetzung der unterschiedlichen Strukturen. Das frühe Blatt Siris-Kek (1953) gehört in die Periode der flächigen Staffelungen (Zyklen Cristal 1948-1960 und Belle-Isle 1947-1954. Collagierte Bilder wie Uzok-lef .) Vasarely geht von Prototypen aus. Sein Variationsreichtum ist dabei unerschöpflich, das zeigt sich schon in der frühen Serigraphie Santorin (1953), die in ihrer mediterranen Klarheit an die 'Papiers découpés' von Matisse denken lässt. |
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Idom-3 Torony-Co Billog |
Die Abstraktion
verhelfe ihm, den Menschen mathematisch zu erkennen und diesem über
die Geometrie das Universum zu öffnen. 'Planetarische Folklore' nennt
Vasarely seine aus der Einsicht resultierende Schau: dass die Einheit von
Form und Farbe existiere. Nun wird das optisch wechselnde Spiel, das sich
aus der dritten Dimension schöpft, eingebracht: Es entstehen die Motivzyklen
Permutationen von 1962-1976 und Ausdehnungen und Zusammenziehung 1957-1975
sowie Plastische Kombinate 1962-1975. Das führt zum Würfel im
Würfel, isometrisch gezeichnet, zur Theorie der 11 Farben und 21 Nuancen.
Die Drucktechnik wird immer aufwendiger, was die Serigraphie Idom-3,
1968, aufs Perfekteste beweist. Die illusionistische
optische Kombinatorik lässt sich vertieft wie erhöht, je nach
Disponibilität der Betrachtung, erkennen. In allem spiegelt sich die
Auseinandersetzung mit der Axonometrie, u.a. mit Keplers Würfel. Ein
Beispiel gibt das Blatt Torony-Co,
1973. Die Polyphonie der Farbtonleitern findet raffinierteste Anwendung.
Der aus Sechsecken mandalaförmig aufgebaute Siebdruck Billog
von 1975 zeigt die Einheit vom Teil und dem Ganzen. Ins Spiel gesetzt werden
die multiplizierbaren Grundformen des geometrischen antiken Harmoniendenkens
sowie die irisierende Impression. Ein Thema das Vasarely ausnahmslos beschäftigen
wird: Zentrieren und Expandieren. Der Kreis auf leuchtendem Goldgrund, ausgehend
von einem kleinen quadratischen Kern, gibt dafür ein schlagendes Exempel.
Was sich im Farbsiebdruck Ara
von 1977 als Kreis (aus 30 Druckvorgängen) entfaltet,
findet sich im Blatt Corona
von 1979 als quadratisches Gebilde wieder.
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Andromeda Heisenberg Sirius |
Vasarelys 'Permutationen'
werden im Zeitraum von 1962-1976 geschaffen. Graphiken, Collagen,
Malerei. Verzerrungen wie aus einer Fischauglinse, die Photographismen geben
ein neues Formverständnis. Auch im Blatt Andromeda
von 1978 (ein monochromatisches Spiel aus dem
Zyklus Heisenberg) vermag der Blick des Betrachters die Kuben konvex
oder konkav erscheinen lassen. Hierzu zählt auch das auf Quadraten
beruhende oktogonale graphische Gebilde der 18farbigen Serigraphie Heisenberg
von 1979. Die Entfaltung verläuft über
eine kreisende chromatische Tonalität vom Dunklen ins Helle. Die physikalischen
Gedanken werden zum Blick in die symmetrische Anordnung einer Blüte
oder lassen eine meditative Grundform entstehen. Der Künstler blieb
ein eifriger Leser der Schriften des Physikers. Heisenberg hatte physikalisch
und philosophisch den neuen Formalismus analysiert und seine Forschungen
auf die atomare Beschaffenheit, vor allem auf die Multiplikationsregeln
für quadratische Schematas gelenkt. Sirius
von 1982 ist ebenfalls eine Hommage ans Achteck. Polare Farbpaare wie hellgrün
und lila, changieren in ihrer lichten geometrisierten Tonalität. Das
Spiralförmige und Strahlungsprinzipien stehen für Grundformen
allen Lebens. Sancton
von 1979 fasst in 10 Farben ein Hauptthema aus Vasarelys 'geometrischer
Forschung': Kubus und Sechseck, ein prägnantes Blatt von verhaltener
Virtuosität. Die Serigraphie Metagalaxie
von 1979 in 18 Farben folgt Vasarelys plastischem
Ansinnen auf axonometrischem Plan. Je nach Lust kann der Kubus gewendet
werden. Das Permutieren eröffnet überraschende Sehperspektiven
und weist auf die Reversibilität aller Erfahrung hin.
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Parmenide Anole Abra Barcel |
Vasarelys raffinierte Art der Raumsuggestion, die Domino, Schachbrett, Streifeneffekte, sein Spiel mit Quadrat und Rhomboid, mit ellipsoiden Grundformen, Rauten und Trapezen basierten auf der Idee, Form und Farbe nicht als ein trennendes Vorkommen zu betrachten, sondern als eine Einheit, als eine 'unité plastique'. Vor allem aber erwirkt Vasarely mit den isographischen Kuben eine spielerische Funktionalität. Daraus resultiert sein dekorativer Konstruktivismus. Seit 1947 entwickelte er durch additives und multiplikatives Vorgehen eine ausladende, fast barock zu nennende geometrische Entfaltung, die zu einem Stück graphischer Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts geworden ist. Ausgeklügelte, vielfarbige Serigraphien entstehen, eine davon Parmenide 1979. Aus der Beschäftigung mit dem im Kubus versenkten Kugelelement spricht die Suche nach einem universalen Gesetz. Diese Graphik wurde aus dem Prototypen PPP X/29 entwickelt. Nicht nebensächlich der Hinweis auf die Gedanken Parmenides (540-480 v. Chr.). Seine Philosophie unterschied Denken und Wahrnehmung und leugnete im Gegensatz zu Heraklit die Bewegtheit der Dinge und ihre Vielheit. 'Es gibt nur das eine einheitliche, wie eine Kugel wohlgerundete, stofflich gedachte, ewige, unveränderliche Sein...' Anders gesehen, erinnern manche Graphiken in ihrer Farbigkeit und Tektonik an die Skyline grosser Metropolen im Abendlicht, an eine technisierte Architektur, an ein funktionelles Weltbild, was Vasarelys Aufgeschlossenheit dem technologischen Fortschritt gegenüber nur unterstreicht. Ein kompositorisch flächigeres Anliegen zeigt sich im Zyklus Anole, Abra, Barcel und Euklides und Celona-5, Farbradierungen, gedruckt 1984 (Kat. S. 138-142, dem Barcelona-Zyklus zugehörend). Asketisch reduziert in Farbe und Form: Dreiecke, Kreise, Quadrate, hinzu tritt Leer- bzw. Prägedruck. Ahnbar die Methode, mit vorfabrizierten Stanzteilen zu operieren. Vasarely führt hier seine 'plastischen Einheiten' vor. Nach 1980 entsteht Marsan, ein inzwischen vergriffenes Blatt aus bunten Grundelementen auf planer Fläche, ediert anlässlich einer Ausstellung im Louvre.
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| 1951 überträgt
Victor Vasarely kleine Formate über photographische Projektionen auf
Wandgrösse. Diese Resultate nennt er Photographismen. Nach 1960 entstehen
die 'Plastischen Einheiten'. Die neue optische Funktionalität
geht zurück auf Vasarelys Studienzeit, ist somit ein Ausläufer
des auch in Budapest beheimateten Bauhausgedankens. Nicht verwunderlich,
dass Vasarely begierig war, seine Kunst in den Alltag, ins Design, umgesetzt
zu wissen. Der Künstler verstand es, optische Reize ins Architektonische
zu übertragen und der graphischen Vision Realitätswert zu geben.
Dazu gehörte seine Vision von der bunten Stadt, die er im Gebäude
der Fondation Vasarely in Aix-en-Provence in Facetten verwirklicht hat.
Vasarelys Konstruktionen gediehen mehr und mehr zur Illusionsmalerei. Er
entwickelte seine Prototypen auf Millimeterpapier wie ein technischer Zeichner,
teils mit Elektronenrechner. |
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Quasare |
Dieses Vorgehen spiegelt sich in seinen Graphiken. Fasziniert von den technischen Möglichkeiten wandte er sich den Phänomenen der Relativitätstheorie, der Wellenmechanik, Kybernetik, Astrophysik zu. Sein Motto: 'Die Materie als Deformation des Raums'. Hiervon spricht die Graphik Quasare E.A. 1981. Vasarely wollte in seinen Formfugen universelle Gesetze verkörpert sehen. Die nach 1986 erschienenen Blätter
sind nicht mehr im Katalog Wiesloch (1986) abgebildet. 1986 kam Voeroech
(aus dem Zyklus Etoiles Célestes) in Druck: ein rotierendes,
aufgefächertes Quadrat. Ebenfalls sternförmig angelegt sind
Esthaynal von
1986 und Tsillag
von 1987, aus dem Zyklus Etoiles Célestes,
Farblithographien von grosser Luminiszenz und strenger Schönheit.
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Centaurus |
Zum Zyklus der Etoiles Célestes gehört auch Centaurus von 1987, eine Lithographie in 20 Farben. Ein sich ins Oval expandierender brennender Kreis, der sich nach aussen abkühlt. Ein wachendes Himmelsauge. Zu nennen sind noch YKA, Phönix und Oslop und abschliessend die Konjunktion von 1987. Im Laufe der Jahre hatte sich Vasarelys bildnerisches Repertoire ausgeweitet. Rückbezüge auf kunstgeschichtliche Phänomene wie Orphismus, isionismus, die Simultankontrast-Theorien von Duchamps 'flackerndem Herzen' liegen weit zurück, zurück liegt auch schon die Op- und Pop-Art, im Trend hingegen für das Design ist die Computergraphik. Hieran mögen diese Serigraphien, die auf eine lange Geschichte zurückschauen, erneut anknüpfen. (ek) |
YKA |
Phönix |
Oslop |
Konjunktion |
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