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Victor Vasarely

Motto: Victor Vasarelys abenteuerliche optische Reise

Zum Werk von Victor Vasarely

Was machte Vasarely so populär? Neben seiner Öffentlichkeitsarbeit, der er einen grossen Teil seines kreativen Einsatzes widmete, ist es gewiss die Tatsache, dass er, trotz unglaublicher Vielfalt, einfachste Elemente wirken liess. Seine Verführungskunst ist eine optische.

Vasarely baute auf der Machbarkeit der Form, zählte auf die funktionelle Wirkkraft der Normen, rechnete mit der optischen Kinetik, womit er eine bestechende Plastizität erzielte. Sein Ausgangspunkt blieb die einfache Grundform und deren Multiplizierbarkeit. Mit Vasarelys Worten: 'Bei mir ist das Original nicht das Staffeleibild, sondern der Ausgangs-Prototyp, der die Rolle der programmatischen Partitur spielt.' Vasarely sah sich als Schöpfer einer Universalsprache. Für sein Entwurfsschaffen verwendete er alle ihm zur Verfügung stehenden graphischen Techniken. Photomechanik und Elektronik. Damit wurde er zu einem Vordenker der Computerkunst, der codierbaren entpersönlichten graphischen Systeme und zu einem der populärsten Graphiker seiner Zeit. Es entstehen Gemälde, Wandbilder, Teppiche, architektonische Integration und Multiples - eine überaus wichtige Rolle wird der Druckgraphik zugewiesen. Ein Werk von unglaublicher Präzision und stolzer Pracht entsteht. Vasarely machte 'aus der Multiplizierbarkeit eine Tugend', schreibt Peter Anselm Riedl im Wieslocher Katalog (1986), worin die meisten der von Grafos bis dahin herausgegebenen Graphiken abgebildet sind.



Vasarelys künstlerisches und damit graphisches Programm, als eine dekorative abstrakte Kunstgattung, wurde von Design und Innendekoration bald übernommen. Er vertrat eine Form europäischer Pop- und Opart, eine Geometrisierung der Formenwelt, die sich bald in allen Medien gespiegelt sah. Diese Popularisierung entsprach Vasarelys pädagogischem Ehrgeiz, einer Art künstlerischen Sendungsbewusstseins, das ihn auch Institute gründen liess: Museen und Forschungszentren, die seinen Namen tragen. Damit konkretisierte Vasarely seine Visionen zu einem Gesamtkunstwerk. Dazu gehörte sein Traum von der bunten Stadt, der Farbstadt, der Cité polychrome. Vasarely proklamierte 'den Bruch mit der hybriden Vergangenheit', 'sprach sich los von der veralteten Definitionen von Kunst und Künstler'. 'Kunst' definierte er 'als eine wesentliche gesellschaftliche Funktion'. Es gibt wenige Künstler, die so viele namhafte Preise und Ehrungen entgegennehmen durften wie er. Sein Glaube an die technischen Möglichkeiten, die Machbarkeit und den Fortschritt glich einem Idealismus, angesiedelt im 20. Jahrhundert. Seine bildnerischen Erkenntnisse fussten auf Bauhaus-Grundsätzen und deren Utopien. Er bekannte sich schliesslich zu einem, man möchte sagen, funktionellen Barock, zu einem die Netzhaut irritierenden optischen Illusionismus. Seine Motive waren geprägt durch ambivalenten optischen Eindruck. Die Vexation stand im Zentrum: hier aber beginnt das ästhetische Erlebnis für den Betrachter, das Augenspiel, die Faszination der optischen Täuschung. Vasarelys Schule des Sehens. ek

Letztes Update: 31.03.08;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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