|
|
Moisès Villelia
Motto: Ein Katalane der Avantgarde, Villelia und
seine kontemplative Kunst.
Das Werk von Moisès Villelia
Im Katalog Moisès Villelia, der
Antológica 1950-1990, Girona Espais Centre d'Art Contemporani, 1990, schreibt Jordi
Gimferrer: 'Auf dem Weg, mit dem Wagen von Norden kommend, gibt es einen Augenblick,
wo diese angenehme
Empfindung einen überwältigt: Nachhausezugelangen. Das Licht am Himmel, die
Olivenbäume, Zypressen, Ginster,
Geruch, der einen zu überfluten beginnt, erdfarben und trocken. Am Wegrand der
Bambus, den ich mit Villelia
assoziiere. Das karge Land bringe ich mit seiner Kunst in Verbindung. Arbeiten, die mit
Bambus in Zusammenhang
stehen, als die verlängerte Naturhaftigkeit unserer Erde.' Der Beginn der Arte Povera ist
dadurch gekennzeichnet, dass
sie zu einfachen elementaren Formen - am Wegrand womöglich auffindbaren
Materialien - greift. Fort von den
Materialien, welche innerhalb der Kunst längst ihre Weihen gefunden haben wie Bronze,
Granit, Leinwand, hin zum
spielerischen oft direkt zeichenhaften Setzen und Konstellieren. Diesen Griff des Plastikers
zum Bambus machte ihn zu
einem der ersten Vertreter der Arte Povera. Villelia gehört zur Generation von
Tàpies, also zur 2. Generation der
Avantgarde. Zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts hatten es verstanden, mit der
akademischen Kunst zu brechen.
Die wichtigsten liessen sich von den Kulturen anderer Kontinente und Völker
beeindrucken - nicht zuletzt von den
Kulturen der Naturvölker. So gemahnen Villelias Vorstösse zuweilen an Fetische
afrikanischer Kunst, und dennoch
bleibt er in seiner Suche zutiefst Katalane. In Paris studierte er die Kunst im Umgang mit dem
Erscheinungsbild des
Bambus, in Bau- und Gartenanlagen, aber auch die Unternehmungen und Chiffrierungen des
Dadaismus und der
plastischen Moderne von Duchamps bis Calder interessierten ihn. Das Mobile als
raumerschliessende Kraft und als
bewegter zeitlicher Reigen.
Im Paris der 68er Jahre schuf Villelia lyrische Blätter. Auf
seiner grossen Reise in Süd-Amerika (um 1969-1972)
wurde er geprägt von der präkolumbianischen Kunst. Zum Bambus gesellten sich
nach und nach Kork, Email und
Terrakotta, Zement und Keramik. Begonnen aber hatte alles in Mataro in den 40er Jahren und
dann in Cabrils 1960/61.
1953 bestreitet Villelia, noch zusammen mit seinem Vater, die künstlerische Ausstattung
der lokalen Kirche Santa
Anna. 1954 bricht der Künstler mit dem Figurativen. Kontakte zu katalanischen
Kunstkritikern bestätigen ihn in
seinem Schritt. Es beginnt (1957) die Arbeit mit Bambus. In den Skulpturen lassen sich sofort
ein poetischer Gehalt
und ein plastisches Umdenken spüren. 1959 entsteht die Plastik aus Schnüren und
Draht: Erinnerung an ein Fahrrad.
Villelia baut in der Art, wie der Surrealismus es verstand, intuitiv,
additiv und deutbar. Vieles entsteht im
Kleinstformat. Seine fragilen Aufbauten aus einfachen Elementen, das Schieben der
Stäbe, der Bambusabschnitte, der
Romben, führten ihn als Graphiker und Maler zu den konkreten Kunstmitteln von Kreis,
Stab, Linie, Fläche. Die Blätter
bei Grafos zeigen sparsam gesetzte kleine und grosse Kreise, Monde. Asymmetrische
Binnenformen, die den Raum
potentialisieren. Eine asketische Wahrnehmung der Bildfläche, dezente Farbwirkung.
Die späten Jahre Villelias gelten
als Jahre einer stillen Kunst. Kontemplative Zyklen und Variationen. Skulpturen, die zwischen
Totem und
Bogenschützen angelegt sind. In den Skulpturen der 70er Jahre besticht die
konstruktivistische, harmonisierende
Raumdisposition aus Bambus, in kleine Teile und Fragemente geschnitten, das Format zwei
Meter Höhe, die leichten
schwebenden Formen als eine der Charakteristiken. Villelia setzt Zeichen in den Raum.
Bambus, das ist das Material,
das der Luft, dem Wasser so sehr wie der Erde zuzuordnen ist. Aus Bambus beschaffen ist auch
die Natur und Kunst
der Uferzonen, wo das Meer seine Formen wirft, um sie einen Atemzug später wieder zu
versetzen.
Villelias erste Sammler waren Mirò, Tàpies,
Bossa, Joan Prats, Tapié, Sweeney, Dupin. Seine Verweigerung an der
Kunstmesse Sao Paulo teilzunehmen, charakterisiert ihn als skeptisch, introvertiert und dem
Kunstbetrieb gegenüber
zurückhaltend. Villelia als Plastiker, Poet und Graphiker verstand es, das
natürliche Element in der Kunst
miteinzubeziehen. Er lebte in den letzten beiden Lebens-Jahrzehnten zurückgezogen in
seinem Atelier-Haus in den
Pyrenäen, wo er auch verstorben ist. ek
|
|