Bernard Schultze
Das Angebot des Grafos Verlages
| Bernard Schultze
ist vor allem Maler. Dem Maler kommt die subtile Farbradierung mit den stofflich-sinnlichen
Flächen der Aquatinta entgegen, der hohe malerische Anspruch wird erfüllt.
Über ein Dutzend Blätter sind von ihm aus der jüngsten Schaffenszeit
im Grafos Verlag erschienen. Diese lassen sich vier unterschiedlichen Schaffensphasen
zuordnen: |
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Am Morgen Sinkender Abend |
I) Die Graphiken mit dem feinen Lineament,
das an labyrinthische Gänge und Moose, Gewandungen der Vegetationsgöttinnen
erinnert. Das Gewebe des Lichtes, die Krakelüren der landschaftlichen
Erscheinung finden sich in folgenden Blättern: Am
Morgen, Sinkender
Abend, Rosafingrige Morgenröte,
Licht des Sommers, Glühendes
Abendrot. Stellvertretend Glühendes
Abendrot: eine Farbradierung aus Hunderten von Strichelchen und
Kringelchen aufgebaut, ein zartes Lachsrosa bescheint den Hintergrund
dieser Dendritenlandschaft. Die Farben verwandeln sich dabei, es gibt
mehrere verwandte Kompositionen, als ob der Künstler von einem Blickwinkel,
unter unterschiedlichen Bedingungen auf denselben Landschaftsausschnitt
geblickt - und Verwandlung wahrgenommen habe. Die Metamorphose bleibt
beharrlich ein Thema dieser Kunst.
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Gartenfest |
II) Die Blätter von 1992/93 erinnern stark an Bilder um 1990, als wären Bildskizzen auf Kupferplatten für die Graphiken umgesetzt worden. Es ist der räumlich gestreute, auf Farbbewegung und Flecken angelegte Bildcharakter mit seiner fast impressionistischen Leuchtkraft. Dazu gehören Gartenfest, Fest des Frühlings, Lichtkaskaden, Im Licht des Pan. Stellvertretend ein Wort zur Farbradierung Lichtkaskaden von 1992 mit dem typisch in den Raum gezettelten Licht, wie Schultze es liebt. Pastellfarben, als griffe die Küste des Gelbs in den kühleren Klang eines Meeres oder Himmels. Der Farbraum ist abstrakt . Es tanzen die Flächen.
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III) Krakelüren und Farbflocken, pastellfarben
ineinander geflochten finden sich in den Blättern Arkadische Landschaft,
Metamorphose. Die Luft greift übers Land, die Feuchtigkeit übers
Moos, die Sonne über Rinden. Durchlässigkeit ist angesagt.
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IV) In den neuesten Arbeiten breiten sich diese expressiven Farbräume in fliessende Farben aus. Grossformate, die über einen Meter messen. Dazu gehören Wie Feuerblumen, Aquamarin und die Probe-Exemplare Submarin. Eine subtile und zugleich intensive Farbenpracht, die bis zum Rand ausholt und die räumliche Entfaltung des Bildes vertieft. Nicht nur in künstlerischer Hinsicht Meisterwerke, auch drucktechnisch eine mutige und erstaunliche Anlage. Der Plattenrand übersteigt das Bildformat, was für eine Radierung atypisch ist. Ein Druck, der sich an die äusserste Grenze des Möglichen bewegt. Das Resultat ist beeindruckend. Mit diesen Blättern flattern über einen Meter messende Malereien ins Haus. Die Bildwirklichkeit ist durchströmt von kühlen und warmen Klängen, ein Wechselgesang von samtener Fläche und gekerbter Linie, eine Begegnung von intuitivem Lineament und festgesetzter Form. ek |
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