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Toni Stadler
Motto: Klassische Bildhauerzeichnungen, das
Stimulans bleibt die menschliche Erscheinung
Das
Werk von Toni Stadler
Bei den drei
Grafos-Blättern handelt es sich um die Zeichnungen eines Bildhauers. Zwei sitzende
Frauenakte und der Kopf eines Jünglings.
Stadler einnert sich: 'Maillol lag das sinnliche Erlebnis zu Grunde. Eine undogmatische
Schaffensweise, das weibliche Element ausfindig zu
machen, diesen, sagen wir, fast weiblichen Geruch auf die Plastik zu übertragen. Darum
ging es Maillol, nicht um einen sturen Versuch,
Ähnlichkeit zu erlangen.' Stadler erkennt im Volumen des Steins die Lichtführung
der Form, und spürbar ist diese fast felsige
Oberflächenbeschaffenheit selbst noch in der Bronze und der Graphik.
Stadlers frühe bildhauerischen Arbeiten
orientieren sich an fülligeren Vorbildern der antiken Gestaltauffassung, tendieren dann
zu frühgriechischen
schlichten Grundformen, zur archaischen Vereinfachung, zur geschlossenen, zeichenhaften
Körperlichkeit. Es gibt Jünglingstorsi, die mit ihren
abgewinkelten Armen Henkelkrügen (1962) ähnlich sehen. Als wären sie in
einer einzigen Bewegung aus dem Lehm gezogen oder aus dem Block
geholt und dann in den späteren 60er Jahren in die Bronzeform gegossen worden. Um
1970 wird der Rumpf Zentrum. Bis in die späten 70er Jahre
ist Stadler vom Wunsch beseelt, das Homogene, Amorphe des Rumpfes als Lebenskern in
Erscheinung zu bringen. Ohne weitere Beigabe, ohne
zusätzliche Gebärde. Seine Zeichnungen unterstreichen diese Entwicklung zur
Vereinfachung. Seine Figuren können aber auch überraschend
barock wirken, bewegte weibliche Volumen, die vom Kern fortbranden, wie das der Titel der
Werkreihe, Die Woge,schon besagt.
Toni Stadler mag nach dem 2. Weltkrieg seinen
künstlerischen Weg nochmals begonnen haben. Der Krieg hatte sein bis dahin
entstandenes
Oeuvre dezimiert. Stadlers Glück in böser Zeit war, dass das Monumentale und
damit verbundene Auftragswerke ihm nicht lagen. Die politischen
Umstände hatten daher sein Werk weniger geprägt als nur verzögert.
Entscheidend für den Wandel war die Begegnung mit Bildwerken von
Marino Marini und andern Grössen der Moderne: Henri Laurens, Alberto Giacometti,
Henri Moore. Stadler aber blieb ein Klassiker der
Proportion. Obzwar er zu Lebzeiten Anerkennung fand, befreite er sich erst in späten
Jahren zu seiner unverwechselbaren Sprache. Die Vision
lenkte er auf ein Zwischenwesen von Gefäss und Skulptur. Sein Anliegen wurde die
'Innere Schwellkraft der Form'. Das Stimulans lag bei der
menschlichen Erscheinung. Bei der Gedenksstätte George-Marshall in Frankfurt (es gibt
einige wenige monumentale Auftragswerke) findet die
plastische Umsetzung der Trias der Quellnymphen 1963 ihre Realisierung. 1964 entsteht die
grosse Liegende, Agäis. Die Zeichnung birgt oft
noch urtümlicher die Vision des Plastikers als es die Bronzen tun. Auch Entwürfe
wirken abstrakter, was sich auch auf die späten Liegenden in
Bronze, 1966, oder auf die enorm bewegte Formabwicklung im Werkganzen 'Die Woge', 1967,
und auf die Nereiden-Figuren des Karl-Amadeus-Hartmann-Brunnens, 1971, übertragen
lässt. Stadler griff spät zur Technik der aus zwei Tonplatten aufgewalzten,
aufgebauten Figur. Was
Stadler früher bei den Bronzen mit dem schweren Treibhammer zu erreichen wusste,
brachte ihm die neue Technik. Stadler gelangte zu einem
nochmaligen befreiten Umgang mit der Form und einer erfrischenden Sinnlichkeit, gleichsam
die Bejahung des eigenen Tuns enthaltend. In den
Worten des Künstlers: 'Es ist ausschlaggebend: die beste Seite meines Wesens ist die
Erotik, von der ich mich habe leiten lassen, im Gegensatz
zur Schönheit.' Rhythmus und Vertauschbarkeit der Formen. Das hergebrachte
Können vor dem Modell zu überwinden, um der spontanen
Einsicht Raum zu geben, wurde zum Prozess eines ganzen Lebens. ek
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