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Horst Antes

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Figur im Kasten

In der sechsfarbigen Lithographie Figur im Kasten (gedruckt 1971 bei Matthieu ZH) fällt volles Licht auf die männliche Figur. Nackt wie sie ist, wird sie ins Bild geholt. Als wäre die Umkammerung aus Glas. Geschlossenen Auges, entrückten Antlitzes ertastet sie den begrenzten Innenraum. Der Ball, schwebt zwischen Haupt und Hand, Welt und Kosmos verkörpernd. Die männliche Figur gleicht einer lehmfarbenen Puppe, deren langer Arm sich in den Raum tastet. Sie verhält sich, als befände sie sich noch im Dunkeln. Spitzenblätter aus der mittleren Schaffensphase. Die Graphiken Figur im Kasten wie das Blatt Blaue Figur (ebenfalls Grafos Verlag) zeigen Schlüsselmomente auf: Profil und Schrittstellung werden zum Merkmal einer konsequenten künstlerischen Suche, die Kunstgeschichte gemacht hat. Aus Farbbollen sei er entstanden, sein Mensch wie dereinst aus Lehmbollen. Obzwar Antes nur Teile des menschlichen Körpers zeigt, glaubt man den ganzen Menschen zu sehen. Monochrome Abstufungen, Tonalitäten einer klassischen Expression, meisterhaft in Steindruck übersetzt.

 
 
Blaue Figur
 

Der Kopffüssler besteht aus Händen, Armen, Kopf und Beinen. Zu diesen Antennen gesellen sich manchmal geschlechtliche Merkmale. Es dominiert die männliche Figur. Das Haupt wird zum Seh-, die Beine zum Gehwerkzeug. Die siebenfarbige Lithographie Blaue Figur von 1975 (Wvz Lutze 761 (3) a), Druck Matthieu Zürich, zeigt einen ausdrucksstarken Höhepunkt der mittleren Schaffensperiode. Anders als in der Graphik Figur im Kasten (siehe Wvz Lutze 666 (2) a) sind hier Hals und Schulterpartien verschwunden. Dort ist der Mensch in einen Innenraum gestellt worden, hier hat er sich selbst in ein Gehäuse verwandelt, ist zum Gehäuse seinerselbst geworden. Im Innern agieren die Hände. Auf den Schenkel fällt farbiges Licht. Das Aug wird zum Spähraum, die Pupille zum Ball. Kennzeichnend für Antes' Schaffen: die fast zur Maske geronnene Sinnlichkeit, der Kopfpanzer oder Kopfschutz. Kapselartig verinnerlicht sich des Menschen Dynamik. Eine geballte, fast architektonische Kompositionskraft und eine hervorragende graphische Technik finden sich in diesem Blatt, dessen Intensität Antes' künstlerisches Anliegen wie in einem Brennspiegel überzeugend zu bündeln weiss.

 

 

 

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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