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Horst Antes

Motto: Wer sich in sein Werk vertieft, wird seltsam beschenkt. Horst Antes: Zwei Spitzenblätter eines grossen Meisters im Grafos Verlag.

Zum Werk von Horst Antes

Antes gehört zu den bedeutendsten Kunstschaffenden der zweiten Jahrhunderthälfte, Hauptvertreter des Phantastischen Realismus. Vorerst vom Glauben an den Menschen angetrieben, setzte er ihn ins Bild. Dabei verschmolzen Körper, Hülle, Wohnraum, Innenraum zu einem. Bewohnbar, hatte Antes einmal gesagt, sollten seine Bilder sein, Behausungen, ja, Schutzräume, das Haupt des Menschen als sein eigenes Asyl.

1962 ist das Stichjahr für die Geburt des Kopffüsslers, Motiv, das Horst Antes' gesamtes Werk bestimmen wird: Mit dem Gemälde der 'Grossen blauen Figur' tritt es erstmals zutage. Als versuchte der übergrosse Arm dort noch das plötzliche Auftauchen der Figur zu tarnen. Dann wird die menschliche Erscheinung über die Leinwand gespannt, eine Kunstfigur. Plötzlich wird der Mensch mit seinem Ball, Löffel, Schaufel, seinen Attributen, dem Boot, dem Haus, dem Vogel, gehend, stehend, horchend, zum unverrückbaren Bild, das sein Geheimnis birgt.

Was sich in den Gemäldezyklen abspielt, findet sich auch in den Graphiken wieder, einer Disziplin, der Antes' besondere Aufmerksamkeit zukommen lässt. Der Mensch und die Dinge erhalten ihre Farbe, dort ist es ein Himmel, ein Baum oder ein Messgerät, da ist es die Kugel oder der Würfel.

Es sollte über Jahrzehnte Antes grosses Lebensthema werden. Darüberhinaus wuchsen andere Themenkreise - besonders in den 80er Jahren. Antes greift z.B. auf die Daseinssymbolik der Hopi Indianer oder der Dogon zurück. Ein ursprünglicher Lebensgeist, der sich in zahlreichen Bildfassungen kundtun wird. Darin erscheinen: die Leiter, die Feder, die Tableta, das Sperma oder der Blitz in Form der Schlange. Antes will seine Bilder von seiner Intention her verstanden wissen. Wer sich in sein Werk vertieft und über die Jahrzehnte den subtilen Verwandlungen folgt, wird seltsam beschenkt mit der unverkennbaren Vision. Im Spätwerk ist eine enorme Reduktion angezeigt: Die Körperhaftigkeit des Menschen verschwindet und erscheint als ihre eigene Leere wieder im Bild, als Aussparung. Die Präsenz des Menschen wird zur Schablone, zum Schatten und Phantom. Ein Hohlraum mit menschlichem Umriss. Trauerarbeit ist angesagt. Beispiele dafür gibt es nicht nur in seiner Malerei sondern auch in den späten Skulpturen. Hierzu fügen sich die 'Poggibonsi-Gruppen' von 1979/80 - oder die späteren 'Grabbeigaben', die Votive aus dünnem Goldblech. Die Infragestellung des Menschen ist unübersehbar im Spätwerk von Horst Antes.



Zum graphischen und plastischen Schaffen

Horst Antes Lehrer war HAP Grieshaber, ein Meister der graphischen Technik, der berühmt geworden ist durch seine Holzschnitte. Grieshaber war ein Vertreter des Figuralen. Er wurde für Antes zur ermutigenden Instanz, das Figurale im grossen Strom des abstrakten Expressionismus nicht verloren zu geben. Damit wurde Antes in den 50er, 60er Jahren zu einem frühen Vertreter der Neuen Figuration. Er griff - fast aus Trotz - auf die menschliche Gestalt zurück, die nach den nationalsozialistischen Verunglimpfungen gerade in Deutschland neu zu definieren war.

Dem Zyklischen, Seriellen seiner Inszenierungen lag die Graphik nah. Neben der Lithographie entwickelte Antes die Radierung. Angerührt vom Alltäglichen - entstand auf seinem Weingut in der Toscana seine erste Radiersuite ('Sicellino' 1977/78). Fortan bot die Graphik ein Feld, das Antes mit grosser Virtuosität zu nutzen wusste. Er ist der Techniker und der Visionär des Elementaren. Seine Gemälde sind, wie seine Graphiken, von hohem perfektionistischem Anspruch. Sein Formenreichtum weiss das Klassische mit dem Expressiv-Abstrakten zu verschränken. So wie das Monumentale im plastischen Schaffen die grossen klaren Formen bestimmt, ist das Statuarische auch seinen Kleinstformaten nicht fremd und sprengt im wahrsten Sinn seinen Rahmen. ek

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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