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Eduardo Chillida

Das Angebot des Grafos Verlages

  
SAPAI
  

'Die Begrenzung ist die eigentliche Hauptsache im Raum, genau wie die Gegenwart eine andere Begrenzung, die eigentliche Hauptsache in der Zeit ist.' Das sind Worte von Eduardo Chillida, eines Plastikers und zugleich grossen Meisters des graphischen Raumes.

Ein Hauptmotiv, das den Künstler seit den 50er Jahren beschäftigt, ist die Hand als Phänomen der räumlichen Durchdringung. Die figurative Skulptur hat Chillida sehr schnell aufgegeben, beibehalten hat er die Handstudien. Kein anderer Künstler hat sich so intensiv diesem Motiv zugewandt. Die Hand ersetzte ihm den ganzen Akt. Das Öffnen und Schliessen des Handinneren, das Gebilde der Hand wird ihm zum formalen Kosmos, die Stellung der Finger zur Vision für Skulpturen und Terrakotten und Papierarbeiten. Es ist ein Glück, dieses Einzelblatt des herausragenden souveränen Vertreters der Kunst des 20. Jahrhunderts im Angebot zu haben. 'Die Hand als die reichste Artikulation des Raumes', hatte Eduardo Chillida notiert. Hohlräume entstehen in ihrem Inneren. Grafos offeriert Chillidas Radierung: Die Hand (1975). Das Schlüsselmotiv eines schöpferischen Prozesses.

Unweigerlich lenkt eine sensible Radierung die Aufmerksamkeit auf das hochkarätige zeichnerische Oeuvre des Künstlers. Bleistift, Kreide, Kohle oder schwarze Tusche und auch der schwarze Filzstift finden seit den 50er Jahren Anwendung. Von der schmalen Linie zum breiten Balken ist es nur ein kleiner Schritt. Die Arbeiten gewinnen kalligraphische Eigenschaften. Die Farbe ist schwarz. Es gibt Handstudien von 1972, Federzeichnungen in brauner Tinte, wo der Daumen ebenso den Ringfinger berührt wie in dieser Radierung, der Strich ist auch dort ein suchender, tastender, gelenkt von einem luziden Bewusstsein.

Chillida hat dem Motiv der Hand zahlreiche Zeichnungszyklen gewidmet, Graphikserien folgten, so die sieben Radierungen 1986-1996 Wvz 86003-86009 Martin Van der Koelen oder La mémoire et la main, 1986, Radierungen zu Gedichten von Edmond Jabès (Daniel Lelong Editeur). Der Visionär wird gelenkt von einer strengen Beobachtungsgabe. Mit intuitiver Behutsamkeit tastet Chillida sich in die Materie und in die geistige Gestalt vor. Die Grundformen finden sich in den Plastiken aus Eisen und Terrakotta wieder.

  

  
St. Gallen
  
Holzschnitt

Im Holzschnitt (1975, vergriffen) verkörpert sich Chillidas freies und konsequentes Ringen. Furchen grabend, durchdringt der Raum die Materie. Chillida hatte es einmal als 'Das Geheimnisvolle des inneren Raums' oder als ' die versteckten Räume' bezeichnet. Fülle und Leere aber bleiben austauschbar.

Es gibt beispielsweise die Holzschnittserie Chillidas zu Martin Heideggers 'Kunst und Raum', St. Gallen, Erker Presse 1969, ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Künstler und Philosoph, wo die existentiellen bildnerischen Komponenten auch philosophisch ihren Platz finden. So schreibt Heidegger: 'Vermutlich ist jedoch die Leere gerade mit dem Eigentümlichen des Ortes verschwistert und darum kein Fehlen, sondern ein Hervorbringen.' Blockhafte Flächenstücke auch in den 'papier découpés'. Schwarze und weisse Flächen einander gegenüberstehend oder wie Hände ineinandergreifend. Das Ineinandergreifen von Küste und Meer.

Chillida arbeitet zyklisch, es ist dies für ihn die selbstverständlichste Form, um die subtilen Veränderungen, Verschiebungen zu reflektieren. 'Eine einzige Welle ist nichts', hat Chillida geschrieben, 'sie interessiert mich nicht. Aber nach dieser Welle kommt eine andere und noch eine.' Im Intervall, in der Leere setzt sich für Chillida 'die Vibration der Form über ihre Begrenzung hinaus fort'. Chillida hat seine Gedanken oft zu Papier gebracht. Er denkt von seinem Wesen her dichterisch. Die Poetik der Gestalt nachzeichnend, versteht er Form und Plastik als die Dichtung der Architektur. Plastik und Musik haben denselben tönenden und sich immer wieder erneuernden Raum. Klangvolumen gleich Leere', hatte er es genannt.

  

Letztes Update: 31.03.08;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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