Grafos Home Künstlerliste Graphikliste Salvador Dalí Biographie Kommentare zur angebotenen Graphik


Vorheriger Künstler (Chillida, Eduardo) Nächster Künstler (Piero Dorazio)

Salvador Dalí

Motto: 'Aber wie im Leben so ist auch beim Träumen Methode alles' Salvador Dalí

Zum Werk von Salvador Dalí

'Aber wie im Leben, so ist auch beim Träumen Methode alles...' Dalí schuf Bilder mit Fetischcharakter. Er beförderte ein Stück menschlicher Befindlichkeit zutage, Widersprüchlichkeit und nicht zuletzt ein Stück Geschichte des Mannes. Diese Geschichte wurde auf Papier und Leinwand inszeniert und wurde zur Realität in den Armen der Halluzination. Seine Frau Gala, Gradiva, die Vorwärtsschreitende, wie er sie nannte, war ihm Realistin und Muse, Heilerin und Schatten zugleich, die Hauptrolle aber in dem Stück spielte Dalí selbst, und begonnen hatte alles schon in der Kindheit, in Figueras. Dalís Autobiographie beginnt mit dem Satz: 'Im Alter von sechs Jahren wollte ich Koch werden, mit sieben wollte ich Napoleon sein, und mein Ehrgeiz ist seither stetig gewachsen.' Dalís Leben gab für viel Klatsch und Skandale Anlass, und das amüsierte ihn und auch in seinen Bildern setzte er viel daran, Zweideutigkeit zu proklamieren. Zahlreiche Biographien und Dokumentationen belegen das Phaenomen seiner Popularität. Er war ein hervorragender Zeichner, Maler und Beobachter und Phantast. Seine Autobiographie hatte Dalí in der Mitte seines Lebens verfasst, noch nicht vierzigjährig. 'Das geheime Leben des Salvator Dalí', schon 1942 in New York erschienen, ein höchst lesenswertes Buch, bezeugt, dass er genau um den Schatz gewusst hat, der zu bergen war, und nichts wollte er davon verloren geben.



Dalí wurde zum offenen Buch seinerselbst. Das Hauptwerk entstand früh, 1925-1941. Damals erschuf Dalí sein stupendes bildnerisches Vokabular surrealer Kunst, Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, und zugleich sind da Parallelen zu den grossen Malern der Renaissance und des Manierismus bis hin zu Bosch. Dalí wollte das Traumbild, die Imaginationen des Unterbewussten fest an die Realität gekoppelt sehen, und das geschah, indem er es hyperrealistisch malte. Er wollte das Irreale auf derselben Ebene wissen wie das Reale. Nicht Kampf den Chimären war angesagt, im Gegenteil, mit Grandezza wusste er das Defilée der Chimären zu dirigieren. Er verstand es über Extreme und Verzerrtheiten zu verhüllen und zu offenbaren, und oft wusste man nicht mehr, war es das eine oder das andere.

Dalí zehrte bis ans Lebensende von seinen frühen Einsichten und Verkörperungen. Seine Exzentrik wurde zum Kult, den er von Kind an bewusst in Szene setzte. Er war ein genialer Spieler. 'Ich habe nie die Geschwindigkeit verstanden, mit der ich populär wurde.' Es ist möglich, dass sein schöpferischer Born, was die bildnerische Inventionen betraf, verhältnismässig früh erlosch. Er verstand es aber, virtuos und unerschöpflich seine frühe Bildschöpfungen zu verwenden und zu verwandeln. Am deutlichsten wird dies in seiner Graphik. Eine Graphik von Dalí zu besitzen, heisst an sein Werk anknüpfen.

Dalí war ein Genie der Kombinatorik. Hatte er insgeheim gewusst, dass zu jenem Zeitpunkt, da er seine Autobiographie schrieb und Europa in Flammen stand, sich sein Hauptwerk schon vollendet hatte? Von nun an begann eine Art der bildnerischen Archiv-Verwaltung, wenn man das so nennen darf. Dalí schöpfte nun aus Bestehendem. Ein Neues aber kam hinzu: Dalí wurde zum virtuosen Illustrator. Davon profitierte vor allem das druckgraphische Werk. Und dieses machte Dalí - abgesehen von seinen spektakulären Auftritten - in aller Welt bekannt.



Wer sich in Dalís Werkentwicklung einarbeiten will, dem stehen neben den Werkverzeichnissen eine unerschöpfliche Publikationsvielfalt zur Verfügung. Und deutlich wird, alles mündete im Selbstporträt: Das Erscheinen der Heuschrecke, der Krücken, des kleinen Buben, der geliebten Gala. Dalís Biographie kondensierte sich in den Bildern und die Bilder flossen in sein Leben. Sarkasmen um Leben und Tod, um Liebe und Manie werden zum Dalínischen Stil. Dalí war der revolutionäre akademische Maler. Der Umgang mit den Surrealisten in Paris hatte Dalí gleich schon auf seinem ungewöhnlichen Weg bekräftigt (auch der Filmer Buñuel gehörte zu den Impulsgebern mit hinzu). Dalí schuf Fetische, Verkörperungen aktiver Imagination.

Der Fels, der Damenschuh, der Frauenrücken, der Schatten, die Verstümmelungen und Staffagen erotischer Auswüchse und Schreckgespenster, Metamorphosen des Narziss. Eine frühe Zeichnung zeigt Gala als Kind auf dem Einhorn seines Schicksals. Die Begegnung mit Gala habe ihn vom Wahnsinnig werden gerettet. Gala war Veränderungen offen und griffig mit dem Leben. Griffiger als es seine Phantasmen waren. Die sonderbaren Krücken, wie er sagt, malte er in seine Bilder, um das, was sich von allein nicht halten kann, um das Halluzinatorisch-Verzückte zu unterstützen. Das Irreale braucht eine Stütze, um sich im Leben zu halten, und so wird die Krücke zum evokativen schöpferischen Zauberstab, so wie alles zum Szepter seines Königreichs erhoben wird. Dalís Angst vor der Leere wusste der Künstler mit Gestaltungen zu füllen, mit dem 'Flitterkram meiner Verrücktheit', wie er von sich selbst sagte. Dalí müsste nicht Spanier sein, wenn Don Quijote nicht früh in seine Bilder getreten wäre. Dalí war auch Spanier genug, um den Bürgerkrieg vorauszuahnen, und der Ahnung gab er Gestalt.

Die grossartige schroffe Küstenlandschaft mit ihrer phantastischen Steinbildung rund um Figueras, Cataques und Port Lligat wusste Dalí ins Bild zu bannen, er schuf daraus seine Wüsten und Zeitlosigkeiten. Die weite des Horizontes wurde ihm Inspiration. Kaum ein Bild, wo im Hintergrund nicht eines der Landschaftselemente aufschiene, oder wo nicht ein Landschaftselement surrealer Verwandlung unterliegen würde. Der Mensch blieb dabei Zentrum,

ob Regentaxi mit Mannequin und Burgunderschnecke, Maske aus Rosen oder Hummertelefon. 1940 sah Dalí seine exzentrische Phase als abgeschlossen an. Er war durch seine Aktionen zum Vorreiter der Aktionskunst geworden, ein Schausteller des Surrealen war er zeitlebens.

Dalí verstand es, Extreme zu konfrontieren, das Psychische bildhaft miteinzubeziehen und alles in die Morphologie seines Formverständnisses einzulösen. Der Stachel des Reizes sass ihm tief im Fleisch. Die Frau ist so sehr Objekt wie Hort der Verehrung. Da und dort triumphiert der Hermaphrodit. In manchem ein masochistischer Zug. Alles in allem ein Flirt mit den Lüsten. Eine mit Selbstironie gepflegte Lust, sich und sein Publikum zu befriedigen. ek

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

Vorschläge, Kritik und Anmerkungen bitte an: !