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Hans Erni

Motto: Ein lockendes, virtuoses Spiel

Hans Erni- ein bekannter Schweizer Graphiker

Hans Erni darf als einer der vielbeachteten Schweizer Plakatkünstler der 40er und 50er Jahre angesehen werden. Er hat es verstanden, eine Form des Realismus mit Elementen der Moderne zu verquicken. Ein lockendes virtuoses Spiel. Er erfand eine schwungvolle gestalterische Verständigungsform. Als er sich der Plakatkunst professionell zuwandte, war das Poster noch nicht geboren. Doch Erni erlebte auch den neuen Boom der Plakatkunst mit. Der Druckgraphik, einem multiplizierbaren, originalen Kunstwerk, das erschwinglich ist, mass er bis ins Alter grosse Bedeutung bei. Seit 1930, mit einem Unterbruch von 1935 bis1950, hat Hans Erni bis heute beinahe 800 Lithographien geschaffen, viele sind im Selbstverlag erschienen, andere in namhaften Editionen. Fast alle Lithographien wurden in Zürich gedruckt, bei Matthieu und seit 1968/69 bei J.E. Wolfensberger. Eine lange drucktechnische Erfahrung ist somit bei den hier vorliegenden Blättern gewährleistet. Erlernt hatte Hans Erni dieses Metier 1929, 20jährig in Berlin, was uns in die frühen Anfänge zurückversetzt.

Ein nicht unwesentliches Stück Schweizer Geschichte spiegelt sich in Bildwerken und in Plakaten. Wer sich der 50er/60er Jahre entsinnt, erinnert sich auch an Graphiken, die da und dort im modernen Heim hingen. Sie ersetzten konventionellen Wandschmuck. Auffallend war das gestalterisch prismatische Lineament. Hans Erni machte sich mit seiner Zeichenkunst beliebt und populär. Bestimmend für seine Kunst blieb das öffentliche Engagement.

In der Publikation 'Hans Erni. Plakate 1929-1976. Ein Weg zum Nächsten (Hrsg. Kunstkreis Luzern 1976)' lässt sich schon vom Buchtitel die künstlerische Haltung erahnen. 1987 erschien im ABC Verlag Zürich, mit einem Text von Alfred H. Häsler: 'Hans Erni. Werke 1979-1987'. Lebendige Zeitgenossenschaft, eine Ehrung im Rückblick. Ernis Botschaft gilt einer menschengerechten Welt.

Es mag hier nur an das Wandbild von 1939 für die Landesausstellung, ein künstlerischer Beitrag zur geistigen Landesverteidigung, erinnert werden. Der antike Mythos wurde aktualisiert, nicht als Rückzug aufs Idyllische, sondern als eine lebendige Demokratie, als ein kämpferischer Humanismus: links im Bild stehen Schriftsteller und Maler, die Präsenz einer kulturellen Schweiz. Vielleicht überkommt den Betrachter vor der namentlichen Darstellung der Vertreter von Kunst und Literatur heute ein wehmütiges Empfinden: Namen wie Bührer, Loosli, Frankhauser, Ehrismann, Lesch (Cabaret Cornichon), Zollinger, Turel, Glauser, oder die Gruppe 33, Maler wie Wiemken, Camenisch, Haufler, Abt, Zurkinden, die Berner Gruppe Xylon mit Zbinden oder die Gruppe 'Allianz' in Zürich, Fischli, Bill, Loewensberg, Lohse, Leuppi. Für Luzern stehen die Maler Max von Moos und Hans Erni, beide unter dem Einfluss des Kulturphilosophen Konrad Farner. Ins Bild treten auch exilierte, am Schauspielhaus Zürich wirkende Kulturschaffende jener Zeit und die Verleger Oprecht und Dressler der Büchergilde Gutenberg. Damit ist eine Zeitgenossenschaft aufgezeigt, mit der sich Erni identifizieren konnte. Oftmals war ihm seine politische Einstellung zum Hindernis geworden. Erni hatte in seine Kunst der Moderne Erkenntnisse sozialistischer Kunst miteingebracht, soziales Engagement unterstreichend. Das Spektrum seiner Auftraggeber, öffentliche wie private, reichte von der PTT, Gewerkschaft und Konsumentenverein bis zur Schweizerischen Verkehrsförderung. Das Plakat des Gewässerschutzes 'Rettet das Wassser' war eine Warnung in erster Stunde. Erni wusste die Zerstörung der Umwelt schon früh anzuprangern. Auch von daher verstand er seinen künstlerisch-sozialen Einsatz. Er hat die Herausforderungen als Graphiker und Maler beherzt angenommen. Sein Stil fiel auf, wirkte wie ein Signal, und die Motivwahl wurde Teil seiner Sprache, ob es sich um Hinweise für Notleidende handelte, um Aufrufe der Unicef, der Terre des Hommes oder um Plakate, die für die Musikfestwochen Luzern, das Schauspielhaus Zürich oder für Ausstellungen warben (nicht zuletzt für seine eigenen). Hans Erni war gefragt. Sein Ausstellungsprogramm zeigte schon zu beginn intensiv: 1944 und 1972 Kunstmuseum Luzern, 1947 Kunstsalon Wolfsberg Zürich, 1953 Galerie Kléber, Paris, 1957/1962 Musée de l'Athénée Genève, 1961 Tokio. Die 70er/80er Jahre sind geprägt von Retrospektiven im In- und Ausland, ein weiterer Markstein ist die Gründung der Hans Erni Stiftung und des gleichnamigen Museums in seiner Heimatstadt Luzern, wo er heute im hohen Alter lebt. ek

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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