Grafos Home Künstlerliste Graphikliste Hans Hartung Biographie Sein Schaffen

Vorheriger Künstler (Guinovart) Nächster Künstler (Miguel Ibarz)

Hans Hartung

Das Angebot des Grafos Verlags

  
L7
  
Als flögen Vögel durch den Raum, Lithographie L7 1974. Der Farbton des Lithosteines und dessen Form sind Teil der Komposition. Eine spontane Geste und Geistesgegenwart charakterisieren Hartungs Arbeitsweise.

Für Hans Hartung war die Druckgraphik ein unmittelbares, wichtiges Medium. Die hier angebotenen beiden Lithographien wurden auf der Erker-Presse St. Gallen gedruckt. Mit dieser Druckwerkstätte und der Erker-Galerie war Hartung über mehrere Jahre eng verbunden. Schon in den 60er Jahren entstanden umfangreiche graphische Zyklen, und 1973 war Hans Hartung erneut intensiv an der Erker-Presse tätig. 1974 wiederum sind bei einem weiteren Schaffens-Aufenthalt in St. Gallen Lithographien entstanden, darunter die beiden grossartigen Einzelblätter hier im Angebot. Zur Werkstattschau erschien ein Katalog: Hans Hartung. Grafik aus der Erker-Presse, St. Gallen 1973: Lithografien Holzschnitte Linolschnitte. Der Überblick zeugt von der ungeheuren Schaffenskraft eines damals fast 70jährigen Künstlers. Doch damit war die Zusammenarbeit zwischen Hartung und der Erker-Presse, die schon 1963 durch einen Katalog dokumentiert wurde, noch nicht beendet, sie dauerte bis ins letzte Lebensjahr, 1988. Im Rückblick und im Gedenken an den 1989 verstorbenen Freund, erscheint 1990 eine Publikation, die die druckgaphische Zusammenarbeit dokumentiert (darin abgebildet ist auch die Lithographie L 7 von 1974). Nichts könnte aber besser Auskunft geben, als eine hier zitierte Passage aus dem eingangs erwähnten Katalog des Erker-Verlages, ein Gespräch, das Heidi Bürklin mit dem Künstler während seines Aufenthaltes in St. Gallen führte. Eingangs spricht Hartung von seiner ersten Zeit in Dresden, seiner entscheidenden Begegnung mit der Malerei von Slevogt, Corinth, Rohlfs, Nolde und der französischen Malerei, wodurch Hartung sich gedrängt sah, sein Studium nicht am Bauhaus, sondern in Paris fortzusetzen. Obzwar er bereits zu einer abstrakten informellen Formauflösung vorgestossen war, liess er sich erneut auf die Gegenständlichkeit ein. Auf seine gestische Ausdrucksweise kam er erst wieder 1933 zurück. Eines seiner Anliegen blieb, Expression und Ästhetik zusammenzufügen: 'Ich habe versucht, die beiden Dinge zu vereinigen, Ausdruck und Form. Natürlich ist es absolut notwendig, dass man in dem Moment, wo man anfängt zu arbeiten, sofort richtig drin ist. Zuerst der Umraum - und dann ganz präzis der Strich als etwas Definitives, das man nicht mehr wegwischen, nicht mehr korrigieren kann. Bei der Lithographie kann ich ebenfalls schnell arbeiten, hier bleibe ich in Kontakt mit mir selbst, hier habe ich die Verbindung vom schnellen Strich und körnigem Material....' Hartung arbeitete in Zyklen und zwar in umfangreichen Zyklen: 'Wenn ich anfange,' sagt er in jenem Gespräch, 'möchte ich 20 oder 40 Steine vor mir liegen haben... und dann geht's los. Doch die Lithographen, die das ermöglichen, findet man nicht so leicht. Das ist die grosse Chance in St.Gallen. Da hat man wirklich grosse Steine. Ich liebe diese wirklichen Steine, bei denen man diese natürliche Umrandung hat - und das Korn, fein oder grob.'

  

  
Hommage à J.S. Bach
  

Hartung arbeitete gerne zu 'kontinueller' Musik, zu Bach, Schütz, Vivaldi, 'im Sinne eines Schutzrings',wie er sagte:. Und damit sind wir bei der Thematik des zweiten Motivs Hommage à J.S. Bach, einer der hier angebotenen Lithographien von 1974. 'Es ist mehr das Gesetz als das Objekt, was mich beschäftigt.' Und Hartung lässt sich 'von diesem Willen zu einer Einfühlung in die Gesetze der Welt leiten, in die Ordnung, die hinter allem steht'. ek

  

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

Vorschläge, Kritik und Anmerkungen bitte an: !