|
|
Hans Hartung
Motto: 'Ich habe versucht, die beiden Dinge zu
vereinigen, Ausdruck und Form.' Hans Hartung 1973
Das Bildschaffen von Hans Hartung
Zwar gab es Hans Hartung unverwechselbare Ausdruckskunst schon in den 30er Jahren,
doch richtig zum Durchbruch
gekommen und bekannt geworden ist sein Schaffen erst in der Nachkriegszeit. Hans Hartung
kam anfänglich mit
seiner Beharrlichkeit zwischen zwei Stühlen zusitzen. Eine lange Durststrecke war
vorprogrammiert. Er wird als einer
der wichtigsten Vertreter der Ecole de Paris gefeiert, zur Zeit da seine Kunst bereits um einiges
darüberhinausreichte
und ihn zu einem der Väter des Action Paintings werden liess. Er ist einer der ersten
Informellen. Alles führt weit bis in
die Leipziger Schulzeit 1922 zurück. Seine Kunst sah sich zwischen Fronten: hier die
Stühle des rechten Winkels
(Bauhaus und die Kunst der Konkreten), dort jene der neuen Sachlichkeit und der Surrealisten.
Die abstrakte expressive
Kunst suchte nach einem weiteren Feld. Allmählich wurde das Informel geboren, dem
sich Hartung bereits seit den
30er Jahren intensiv verschrieben hat. Mit der Cobra Gruppe der 50er Jahre gewann diese
Richtung an Vorsprung und
erhielt Verstärkung.
Es entsteht ein beachtliches malerisches Werk. Für Hartung
gab es immer schon 'den dunklen Ruf der Farben und den
Versuch widerstrebende Kräfte in einem Ganzen aufgehen zu lassen'. Bald ist die Form
des vom Pinsel und dem
Schaber gezogenen breiten Balkens im Zentrum der Betrachtung. Dabei wird die Tusche zur
Protagonistin. 1922 hat
Hartung eine aufgelöste Tuschzeichnung von einem Kirchenraum geschaffen, als
hätte hier Tiepolo seine
Schattenschriften ausgebreitet, wirkt diese Zeichnung völlig abstrakt. Durchsickert von
der Ahnung einer späteren
Formfindung, der Vergitterung des Lichts, der Nacht, durch die der Raum bricht. Ein
Wechselspiel von Hell-Dunkel
und eine von unterschiedlichen Tempi bestimmte, konzentrierte Auftragsweise. Es gibt Bilder
der 30er Jahre, die an
Bissiers Meditationsformeln erinnern. Pinsel und Stift, Farbe oder Tusche, Rötel, Kreide
und Bleistift sind die
graphischen Mittel, das Aufkratzen einer Fläche mit unterschiedlichen Schabern erlangt
1962 die Oberhand. Das
Ritzen, eine der Frühgebärden des Menschen überhaupt, wird Teil der
künstlerischen Sprache. Eisenplastiken der 30er
Jahre spiegeln ebenfalls die in den Bildern gewonnene und fassbar gewordene
Vision.
|
|