Antoní Tàpies
Das Angebot des Grafos Verlages
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Homenatge a Max Ernst Autoretrato |
Wer das Werk des namhaften
zeitgenössischen Künstlers Antoni Tàpies kennt, weiss,
dass sich bereits in den Titeln der von der Edition Grafos verlegten Druckgraphik
seine ganze bildnerische Welt wiederfindet. Da ist der Wink an die Anfänge
in der Homenatge a
Max Ernst. Spanien hat dem Surrealismus lange grosse Aufmerksamkeit
geschenkt. Aber auch das Autoretrato
weist auf die frühen surrealen Selbstbildnisse zurück. Das Schwere
und das Leichte (Lleu)
und Fulla i Tres
(das Blatt und die Drei). Der tiefe, existentielle Hintergrund
einer Landschaft erschliesst Rhythmen: Muntanyes/ Berge, oder wird zur
Ummäntelung des Menschen: Figura
paisatje (der Körper einer Landschaft). Auf die kreatürliche
Existenz wird verwiesen in Tres ulls/ drei Augen.
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Vela i creu El Peu |
Der Bezug zum katalanischen
Leidensweg und Freiheitskampf verdeutlicht sich in Vela
i creu (dem Segel mit den roten Spuren und dem Kreuz); die
menschliche Präsenz findet sich in der Spur, im Fuss (Peu)
oder im Motiv des Schuhes (Sabata),
es ist der Schuh, welcher die Sardana zu tanzen weiss. Der Einbezug des
Objektes ins Bild manifestiert sich in der Graphik als Prägung eines
Grill-Eisens (Graellat).
Die Zeichen, die Zahl, der Buchstabe: das X der sich überstrebenden
Balken noch im Stilleben (Bodegó).
La S, das grosse S als eine sich einholende Gebärde.
In der Deutung des von Tàpies verehrten katalanischen Mystikers
Raimondo Llullus (Ramon Llull) wäre S die Figur der Beziehung zwischen
Objekt und wahrer Erkenntnis, X die Aufzeigung des Gegensatzes.
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Sabata |
Graellat |
Bodego |
La S |
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Die stark suggestiv
beladene rote Farbe und das dynamische Oval (Oval
i Roig) wird zur inständigen Durchdringung der Materie:
Traspuar.
Die körnige Aquatinta-Radierung Cremades
verkörpert diese Eigenschaft: als hätte Tàpies mit Teer
gearbeitet, eincollagiert das rote Feld, Kreuz und Zahl. Die Oberfläche
als eine verletzbare Haut, der Torso (Tors),
der durchdrungen ist vom ganzen Wesen der Materie. Die Flüchtigkeit
und die Leichtigkeit der Spur als das Dauerhafteste aller Wahrnehmung. Das
Bild ist da, wo es einem begegnet. Hiermit sind wir bei der konzeptuellen
Kunst angelangt. Tàpies' Bildfelder sprengen den Rahmen und bestätigen
zugleich Tradition, indem das Bestehende so eingebracht wird, dass es neu
gesehen werden kann. Tàpies schafft eine hermetische Kunst. In diesem
Sinne ist sie Geheimschrift. Die Mystik liebt das Pénombre der Passage
und wäre es das Halbdunkel des Stadtgemäuers. Es sind spezielle und überzeugende Blätter, die sich über die Jahre druckgraphisch für Grafos realisiert haben. Man muss eine Tàpies-Graphik in Händen halten, um etwas von der prima materia zu verspüren, aus der dieser Künstler seine Formen holt. Der Kontakt zum kongenialen Drucker Joan Barbarà und seinem Atelier, dem Taller Barbarà in Barcelona, ist kein nebensächlicher Umstand für die druckgraphische Qualität der Farbradierungen, die in teils komplexen Vorgängen realisiert worden sind. Barbarà hat für namhafteste Editionen gedruckt und ist ein Experte, was die zeitgenössische Radierkunst anbelangt. Noch ein Wort zur Auswahl: diese druckgraphischen Blätter von Antoni Tàpies im Grafos Verlag umspannen, was das Erscheinungsdatum angeht, rund 20 Jahre. Friedrich Herlt und dessen Frau Pilar, die selbst aus Barcelona stammt, haben auch hier zwischen Künstler und Verlag vermittelt. Die starke Präsenz von katalanischer bzw. spanischer Kunst im Grafos Verlag (von Dalí, Miró, Chillida, Tàpies bis Castillo, Gudiol, Ibarz und Llovet) ist vor allem dieser unmittelbaren persönlichen Vermittlungsarbeit zu verdanken.
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