Werner Tübke
Das Angebot des Grafos Verlages
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Feierabend in Armenien |
Eine Szene am Dorfrand. Feierabend in Armenien, Nahtstelle zwischen Okzident und Orient. Es könnte die Illustration zu einem Hauff-Märchen sein, die Zeichnungskunst aus dem vorigen Jahrhundert in Erinnerung rufend. Ein Rätselraten: Was geht vor? Ist etwas los? Der Teppich ist zum Mahle ausgebreitet. Wir sind in ein anderes Land versetzt. Die Menschen finden unter freiem Himmel zusammen. |
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Sonntagnachmittag |
Sonntagnachmittag. Zwei Generationen sitzen zu Tisch. Den Reim auf die Geschichte muss sich jeder selber machen. Der Klerus ist mit von der Partie. Tübkes Kunst irritiert unter dem Anschein des Normalen, das ist ihre Stärke. Die Bäume sind kahl, der Wind weht frisch. Die gekonnte Linienführung eines brillanten Zeichners. Eine Bleistiftzeichnung gab den Impuls zur Lithographie. |
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Ein Sonntagnachmittag |
Tübke spielt mit seiner Welt Theater, er ist ein Meister absurder Inszenierungen. Drei Burschen promenieren sich geckenhaft im koketten Dress: Ein Sonntagnachmittag. Man zeigt sich. Ein Steindruck in Lindengrün |
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Trauergäste |
Zeichnen ist Tübkes Leidenschaft, im Umdruckverfahren entstehen seine Lithographien. Trauergäste: Auf behelfsmässiger Bahre wird eine puppenhafte Gestalt davongetragen. Diese Infantinnen sind nicht aus Fleisch und Blut, die Künstlichkeit ihres Auftretens lässt auch die Hände starr erscheinen. Das Umheimliche spricht aus den Details. Das Irreale atmet mit, eine attrappenhafte Bezugslosigkeit ist hier zu Gast. |
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Randerscheinung |
Ein für Tübke charakteristisches Blatt von grosser Dichte. Auch die Druckfarbe Zinnoberrot ist gut gewählt: Sonderbares Welttheater: Vier Veteranen sitzen beisammen. Der alte Baum treibt Blätter. Der Hydrant ist kaum mehr brauchbar, die Architektur eine Ruine. Die Frau trägt ein Luftgespinst in Händen, über allem steht die Chimäre Kopf. Doch nach einer Fatamorgana wendet sich keiner um, ob Rüstung oder Siegesfahne, alles bleibt Randerscheinung. |
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Sinai |
Tübkes Radierung Sinai ist glühend rot. Die Welt am Berge Sinaï, am Moses-Berg. Zwei Schiffe sind an Land gekommen. Vielleicht sind's zwei Feldherren, die ihnen entstiegen sind. Säulen früherer Kulturen. Die Stadt mit ihrer Ringmauer im Faltenwurf des Gebirges, vor dem Massiv der Zeit. |
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West-Kaukasus |
Von Tübke sind die grossen Heeres- und Schlachtenbilder bekannt, worin er den Mann der Strasse ins Licht stellt. Besiegte und Sieger, Heimkehrer und Arbeiter. Ein höchst raffinierter Radierstrich zeichnet auch dieses Blatt aus: West-Kaukasus. Des dreieinigen Gottes Auge wacht bei den Männern. Ist's Gabriel, Michael oder Luzifer, der sie begleitet überm Abgrund, Emmaus gedenkend und des Gottes, den sie nicht sehen ? Das Geheimnis bleibt unangetastet. Tübke liefert keine Lösung für die Rätsel, die er illuminiert. |
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Kindheitserinnerungen |
Tübkes Stärke liegt darin, dass er Rätsel aufgibt, die er nicht zu lösen trachtet. Die Kindheitserinnerungen lassen an Arbeiten von Horst Janssen denken. Hier warten Veteranen eine andere Zeit ab, in höfischen Gewändern und in Uniformen waten sie durchs Wasser. Sie scheinen aus Stöcken und Stäben gezimmert, diese Mannspuppen. Einer hält die Fackel übers Wasser und wird gleich stürzen, einer hält den Bogen - doch wo ist die Geige? Werden sie im Zeitstrom versinken, so geisterhaft wie sie gekommen sind? Und die Frau? Es ist, als hielte sie noch einen dünnen Lebensfaden in Händen. |
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Erinnerung an die Provence |
Die Erstarrung über den Figuren macht keinen Unterschied zwischen Tod und Leben. Erinnerung an die Provence. Die neue Zeit ist noch nicht angebrochen, die alte Zeit scheint unterbrochen. Es wird nichts nachfolgen, da nichts voraus gegangen ist, auch nicht des Königs General. Ruhig liegt das Hügelland im Hintergrund. Niemand wendet sich danach um. ek |
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