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Werner Tübke

Motto: Die Druckgraphik von Werner Tübke widerspiegelt die brilliante Versiertheit des Zeichners und ruft die Zeichenkunst voriger Jahrhunderte in Erinnerung.

Das künstlerische Schaffen von Werner Tübke

Gabriele Männel schreibt im Katalog der Staalichen Kunstammlungen Dresden 'Vom Expressionismus zur Gegenwart - die Sammlung im Albertinum 1993 'ist seit der VII. Kunstausstellung der DDR in Dresden zu dem Pathos politisch-thematisierter Auftragswerke eine neue Qualität getreten, die sich andere Bildräume schafft, klar und erfrischend sind die Bilder und werden von all jenen verstanden, die Veränderung suchen'. Neben den beiden Leipziger Malern nennt die Autorin die Berliner Dieter Tucholke und Hubertus Giebe oder W. Petrovsky aus Dresden - und fährt weiter: 'Zwei Hauptrichtungen sind seit den 1970er Jahren in Sachsen zu beobachten, die jede für sich ihre Nachfolger finden: Die Traditionen der Neuen Sachlichkeit sowie des politisch schärfer akzentuierten Verismus, geprägt von Max Beckmann in Leipzig und Otto Dix in Dresden, sie erneuern sich in der realistischen, literarisch-thematisierten neuen Malerei in Leipzig.' Vor diesem Hintergrund ist Werner Tübke einzureihen. Natürlich sprechen die früheren, partei- und gesellschaftspolitisch geprägten Kataloge zur Kunst eine andere Sprache, Tübke hatte volle Anerkennung gefunden zu seiner Zeit, und konnte für manche Botschaft des realexistierenden Sozialismus gewonnen werden, wenngleich er auch zu Auseinandersetzung und Meinungsstreit anregte, war er angesehen. In der Erscheinungsform der Zeichnung hat sich bei ihm bis heute wenig geändert und somit ist sich der Künstler auch in der Druckgraphik treu geblieben.

Der Verismus hat in Tübkes Kunst adäquaten und konsequenten Ausdruck gefunden. Kunst lässt sich vielfach auslegen, Deutung ist hinterhältig. Phänomenal in jedem Fall ist Tübkes mastodontisches Kompositionsinstrumentarium, eine Tektonik aus Leibern und, wie er es nennt, eine Figurenmaschine. Es gibt Momente, wo in der gesellschaftssüchtigen Erfassung eine Blossstellung deutlich wird. Das Absurde rettet ihn. Ein Sarkasmus, der ins Raffinement der Paraphrasen gekleidet ist. Seine Überzeichnungen fallen auf durch tierischen Ernst. Das Gegenbild bleckt hinterm Bild die Zähne.

Tübke lehnt den 'Selbstausdruck' ab und spricht von 'geschichtlicher Geborgenheit'. In der Graphik lässt Tübke nicht nur die Kunst des 16. - 18. Jahrhunderts aufleben. Gabriele Männel schreibt: 'Aus dem reichen Fundus mittelalterlicher Legenden-Malerei und biblischer Stoffen schöpft Werner Tübke für seine altmeisterliche präzisen und kühnen aktuellen Figurenkompositionen. Das Gruppenbild fordert nach ikonographischen Vergleichen heraus.' Im Katalog von 1976, zur ersten umfassenden Ausstellung von Werner Tübke, Gemälde-Galerie Neue Meister Dresden, herausgegeben Ministerium für Kultur der DDR heisst es einleitend: 'Die Ausstellung zeigt in signifikanten Beispielen den bisherigen Entwicklungsweg des Künstlers, mit dessen Schaffen sich die Bevölkerung der DDR seit vielen Jahren intensiv beschäftigt'. Es wird an frühere Ausstellungen mit Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer erinnert, und der Leiter der Gemäldegalerie Neue Meister Werner Wolf fügt hinzu: ' Die von der materialistischen Ästhetik längst bewiesene Vielfalt und Kontinuität des Realismus sollte deutlich werden.' Das Bild des Weissen Terrors in Ungarn malt Tübke 1957, es entstehen dazu unzählige Skizzen wie zu jedem Bild, dann malt er Hiroshima 1958 und das Gemälde Spanien 1936. 1967 malt Tübke Feierabend armenischer Kolchosebauern. (vgl. hierzu das Blatt im Grafos Verlag: Feierabend in Armenien). Es folgt der Auftrag für das Triptychon zur Deutschen Arbeiterbewegung. Gleichzeitig beginnt er mit den berühmt-berüchtigten überdimensionierten Strandbildern, vor denen es einem fast die Sprache verschlägt. Ein veristisches Pathos und unbeugsame, übersteigerte Beobachtung, eine photographisch-exakte, unerbittliche Weitwinkeloptik macht sich breit. Der Manierismus ist in dieser zeitgenössichen Kunst in seinem Element, der akademische Maler hat nochmals seinen Stoff gefunden: in der Mythologisierung des gestählten Körpers einer Gesellschaft. 1971 entstehen zahlreiche Entwürfe und Bilder zum Thema: Arbeiterklasse und Intelligenz, eines davon 5 m messend. 1950-1970 zeichnet er die Skizzen und Entwürfe zum Bild Sizilianischer Grossgrundbesitzer und Marionetten, 1972, eine verkappt-gesellschaftkritische Angelegenheit, die auch im italienischen sozialistischen Kunstbetrieb Aufsehen erregte. 1991 schätzte man Tübkes zeichnerische Produktion auf 6000 Blätter. Dazu gehören die Entwurfs-Cartons, die Bewegungskizzen, die Porträtstudien. Tübke geht auch hier von Vorlagen, Vorbildern aus. Bei all dem widmet sich der erstaunliche Zeichner der Druckgraphik, beginnend bei den frühen Holzschnitten bis hin zu den Lithographien. Heute zählt Tübke zu den vielzitierten Künstlern Deutschlands, die schillernde Qualität seiner satirischen Fabeln entfaltet ein einladendes Spektrum der Definition. ek

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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