Günther Uecker
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Zu den Engadiner Lithographien: Ins Engadin zieht Uecker sich zeitweilig zurück. Landschaft ins Quadrat genommen, ein Format, das Uecker immer wieder aufgreift, auf das er sich seriell einlässt, sich auf die Technik von Aquarell und Pinsel festlegend, allenfalls unter Zugabe von Bleistift. Eine Landschaft, als entwerfe der Künstler nachklingend die Schrift für ein Raumempfinden, das sich vom Veränderlichen bewegen lässt, indem es den Standort beibehält. Die Kraft zur Konzentration und sein malerisher Spürsinn geben dem Ganzen eine improvisierende Freihändigkeit, als folgte alles einem stillen innern Gesetz. Die Welt aber entsteht aus dem Weiss und bindet das Papier mit ein. Wenn wir uns seiner zahlreichen Projekte, oder an seine späteren Papierreliefs und Prägedrucke erinnern, ist das Werk Ueckers rückführbar auf seine früheste Werkphase des Weiss in Weiss. Über die Farbe allerdings gelangt ein lyrisches, ja beinah impressionistisches Element der Wahrnehmung in diese Notate, selbst dann wenn der Künstler das vielleicht nicht gern eingesteht. Genau betrachet, war es schon mitanwesend, als die Farben von bewegten Lichtpendeln herrührten und zur Installation gehörten, 30 Jahre davor. Der schreibende Uecker hat uns diese Impressionen bewahrt. Mögen zwei seiner Gedichte (1960/1964)
neben diesen Lithographien stehen: Verwandlung: 'unsere einfälle
bleiben nicht bei uns/ oder wir gingen mit ihnen fort./ die wolken sind
die einfälle des wassers/ in seiner schwere und unschwere./der wind
ist die schönheit des eises,/ wie die sonne fliegt,/ ich fliege,/
es geht durch mich hindurch,/ wie es durch etwas und nichts geht,/es hat
sich und mich verwandelt.' |
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Abendsonne im Engadin, 1982, als glitten zwei Pinsel in warmen Farben gleichzeitig dem Erleben nach. Ein Blatt voller Impulse und heller Turbulenzen, wie sie über Seen, Bergen und Gletschern erlebt werden können. Wintersonne im Engadin, 1982. Selber Standort, selbe Zeit, selbe Landschaft. Spontaneität und Konzentriertheit als lebendige Komponenten. Im Wahrnehmen desselben Motivs verrät sich ihm Verwandlung. 'Die bewegung des feldes/das flirren des lichtes/ im wasser der wind/ sprache der sich auflösenden zeichen des schönen/ wolken des schwebens/das weiss des strandes/ wo das sichtbare/ durch das licht gekrönt/ sich im unsichtbaren verliert.' Visionäre Landschaft II und Visionäre Landschaft I, 1992/1990, Blätter, worin in drei Bewegungsströmen Himmel und Erde sich reiben. Zwei Farbklänge werden durch die fliessenden Pinselhiebe, die Raum, Materie und Licht verkörpern, aneinandergebunden. Jahre widmet sich Uecker diesem schlichten Motiv der Zweigliederung als einer polaren Verbindung. Ein meditativer Horizont steigt stetig aus der Vision dieser Landschaften. Die Engadiner Blätter fallen in die Zeit kurz nach dem Unternehmen Littenheid, die Visionären Landschaften sind jüngeren Datums. Doch lassen wir hier Wieland Schmied noch zu Worte kommen, der die ersten Littenheider Aquarelle 1980 (Wieland Schmied, Erker 1983) so konzies kommentiert hat, dass sich die Äusserungen nahtlos auch auf diese hier präsentierten Lithographien übertragen lassen: 'Uecker zeigt Landschaft als etwas Bewegtes, Veränderliches. Wie entsteht Landschaft aus Bewegung? Aus Energien, Faltungen, Wellen, Strömen? Wie entsteht Landschaft in unserer Wahrnehmung? (bzw. auf dem Papier): Aus Linien, Strichen, Streifen, Bändern, Balken, Haken. Aus Linien, die keine Kontur bilden, aber Kräfte ausdrücken, aus Farben. Uecker 'reagiert' auf Natur, erinnert an Natur - er gibt sie nicht wieder. Uecker gibt nicht Landschaft - sondern Handschrift...' ek |
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