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Günther Uecker

Motto: Günther Uecker: 'die sprache der sich auflösenden zeichen des schönen'

Der andere Günther Uecker

Er ist jenen ein Begriff, die sich mit Konzept-Objekt-Kunst, mit Landart und Installation beschäftigen, er gehört zu den Protagonisten der ersten Stunde. Zudem, Günther Uecker gehört seit Jahren zu den Gastkünstlern der Erker Galerie St. Gallen. Und hier spürt man schon eine andere Seite anklingen. Von ihm wurden viele wichtige Blätter auf der Erker-Presse gedruckt und seine Schriften wurden in St.Gallen verlegt. 'Trotzdem war die Galerie im Erker nicht das eigentliche Schlachtfeld, auf dem die für Uecker wichtigen Schlachten geschlagen wurden. Diese fanden in Düsseldorf, Gelsenkirchen, Amsterdam, Brüssel, Stockholm, New York, Kassel, Venedig und Warschau statt. Aber die Galerie im Erker war für Uecker immer ein Platz, an dem er nachdenken und wieder zu sich kommen konnte', so Dieter Honisch zur Vernissage in St. Gallen 1983: 'Grenzverhältnisse'. Damals wurden Nagelreliefs des Künstler gezeigt. Wer aber ist der andere Uecker, von dem heute nun die Rede sein kann?



In einer Projektbeschreibung von l961 unter dem Titel Licht-Spiel schreibt Uecker: 'Meine Arbeiten erhalten durch das Licht ihre Wirklichkeit. Ihre Intensität ist durch das einwirkende Licht wandelbar und vom Standpunkt des Betrachters veränderlich...'

Dass der andere Uecker keine neue Erfindung ist, dass er zu allen Zeiten mit gegenwärtig war, quasi als Zweitpartitur, mögen Passagen aus seinen Schriften bezeugen (Gedichte, Projektbeschreibungen - Interviews und Reflexionen, gesammelt und erschienen 1979 im Erker-Verlag):

'Da unsere Raumvorstellungen sich nicht auf der Erde, sondern im Himmel befinden, möchten wir einen Raum realisieren, der vom Betrachter nicht betreten werden kann, der ähnlich wie der Himmel aus dem Flugzeug nur gesehen werden kann. Anstelle des Fussbodens wird der Betrachter die Wolken von oben sehen, und anstelle des Flugzeugfensters wird der Betrachter durch Lichtfarbgläser schauen. Unsere Objekte werden im Raum schweben und das Licht dynamisch artikulieren. Alles soll leicht sein, immateriell; eine poetische Erscheinung des Lichtes, des Raumes und der Bewegung und eine Atmosphäre des Unberührbaren und Reinen zeigen.'

Bevor Uecker sich hier selbst durch weitere eigene Äusserungen kristallisiert, ein Wort von Wieland Schmid (Erker Verlag 1980) stellvertretend für einen Rückblick: 'Günther Uecker hat von früh an viel in und mit der Landschaft gearbeitet, aber er hat nur am Rande und studienhalber Landschaften gemalt oder gezeichnet. Er hat Sand verwendet und mit Erde gearbeitet, Samen gesät und Wachstum beobachtet. Das passte in das Bekenntnis von ZERO: Natur in einer neuen Weise begreifen und verwenden. Das war das Programm von ZERO, oder doch Teil des Programmes. Uecker hat sich zu diesem Programm bekannt. Es hat seinen Ausgangspunkt bestimmt, seine Anfänge getragen.' Wie hiess es doch in einer Projektbeschreibung 1969: 'Auf Einstellung 4 des Films Nagelfeldzug: Acker benageln. Einpflanzen von Nägeln in die gezogene Furche'. Letzte Einstellung: 'Am Ende den Film durchnageln'.

Mit Mack und Piene gehörte Uecker zur Gruppe ZERO - eine Kooperative, ein zusammenfügen von Kollektiv und Individuum, ein personaler Zweckverband, ausgehend von einem 'Unbehagen, das auch mit unseren Nachkriegserfahrungen zu sehen ist.' Das Unbehagen gegenüber der informellen Malerei kam hinzu: 'so dass ich mich schon von der Voraussetzung her gar nicht damit identifizieren konnte'. In einem Interview spricht Uecker von 'Gedichten' als Ausdruck des Moments, wo Gedanken sich mit Sinnlichkeit paaren: 'Alle meine Formulierungen sind Bildphänomenologien, weil ich bildhaft denke. Es geschieht dies einfach über die Sensibilität, über die Kontemplationsfähigkeit eines Menschen, der sich die Offenheit erhält'.



Littenheid ist überall auf der Welt. 1980 entstanden Ueckers erste 'Landschaftsbilder'. Uecker hatte sich 1980 während eines Projekt-Aufenthaltes mit seinen Düsseldorfer Kunst-Studenten in Littenheid, Kanton Thurgau, täglich für ein paar Stunden kontemplativ in die Landschaft zurückgezogen. Die Bedingung, die er sich stellte war: 'selber Ort, selbe Zeit, selbes Material und Format'. So entstanden innert zweier Wochen 138 Aquarelle und 6 Bleistiftzeichnungen im Format 12,3 cm x 15,5 cm. Das war ein Anfang, denn genau dieses Vorgehen wurde ihm über viele Jahre (bis heute) zur persönlichen Methode. Ein Zweig hatte sich losgerissen von den langjährigen Arbeiten mit und um Nägel. 'Was sich in den Littenheider Aquarellen und seinen einsamen Inselstudien, gleichsam auf einem Nebengleis, schon ankündigte, tritt nun in sein eigentliches Werk ein.'

Letztes Update: 04.06.09;
© Texte von Evi Kliemand, 1998-2004. © by Grafos Verlag AG, 1998-2004

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