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| Eine
kurze Einführung in die graphischen Drucktechniken
- Hoch-,
Tief- und Flachdruck |
Die druckgraphischen TechnikenHoch-, Tief- und FlachdruckEs gibt wohl kaum ein Jahrhundert in dem die Kunst der Original-Graphik derart zur Blüte kam wie im 20. Jahrhundert, das gilt für alle Druckarten. Sie alle haben eine grossartige Bereicherung erfahren durch die künstlerische Freiheit der jüngsten Moderne. Eine Freiheit allerdings auch, die handwerkliche Konventionen zuweilen ineinander übergehen und die gegebenen Grenzen einer Technik, durch die Fusion mit einer anderen aufheben oder verschmelzen liess. Das Ritzen und Prägen, Schaben und Schneiden gehört zu den Urphänomenen künstlerischer Äusserungen. Die graphischen Techniken auf Metall und Holz, Stein und Sieb nehmen dieses Vorgehen auf. Sie lassen sich auf Tiefdruck, Hoch- und Flachdruck reduzieren. Im Hochdruck (Holzschnitt) druckt das Erhabene, im Tiefdruck die Vertiefung (Radierung), der Flachdruck (Lithographie, Siebdruck) baut auf farbabstoßenden und farbempfänglichen Flächen auf. Die Übertragung geschieht in der Druckgraphik durch Pressdruck auf Papier.DerHolzschnitt und der LinolschnittDie ersten Künstlerholzschnitte fallen als Reproduktonstechnik ins 15. Jahrhundert, ein neuer Trägerstoff war zuvor eingeführt worden, das Papier. Ein zum Tiefdruckverfahren des Metalldrucks gegensätzliches Verfahren zeigt sich im Hochdruckverfahren des Holzstichs und Holzschnitts (aber auch des Linolschnitts): Hier werden die erhabenen Flächen eingefärbt und im Druck auf Papier bleiben die Einschnitte farbfrei, die erhöhten Flächen zeichnen sich nun ab und übertragen oft auch die lebendigen Maserungen des verwendeten Holzes auf die gedruckte Fläche. Mit der Entdeckung des Holzschnitts (und des Linolschnitts), in Ablösung des Holzstichs, der der Zeichnung frönte, war auch die Kunst der abstrakten Fläche belebt. So steht die Aufmerksamkeit für die asiatische Kunst des Farbholzschnitts nicht zufällig am Anfang der Moderne. Der Holzschnitt hat sich bis in die heutige Zeit seine Berechtigung als künstlerisches Mittel erhalten. Das Abreiben der eingefärbten Druckstöcke geschieht über Handabrieb oder mehrheitlich wie bei anderen Druckverfahren über die Flachpresse.MetalldrucktechnikenDie Radierung, der Stich, die Aquatinta, die Kaltnadel, Aussprengtechnik, die Karborundum-RadierungÜber die Goldschmiedekunst war das Gravieren von Metallen herkunftsmäßig längst Teil des künstlerischen Gewerbes. Daß sich die Kunst des Zeichnens ein Feld über die Gravur auf Metallplatten eroberte, liegt nahe (vgl. Dürer). Schon Mitte des 15. Jahrhunderts sind die ersten Kupferstiche entstanden. Die Platten werden eingefärbt, die Farbe setzt sich in den Vertiefungen ab, die übrige Platte wird blankgerieben. Hier kommt der berühmte Wischton zum Sprechen, wie wir ihn von Rembrandt kennen. Das Wischen der Farbe auf der Platte animiert zur malerischen Ausdrucksgeste und macht zudem jeden Abzug gewissermassen zum Unikat, denn wie bei allen druckgraphischen Techniken muß für jeden Abzug, bzw. für jeden Druck die Platte neu eingefärbt werden. Der Druck geschieht auf der Handpresse, es sind Walzen, die über ein großes Rad betätigt werden. Der Druck erbringt das Ergebnis: von den Vertiefungen her zeichnen sich auf dem Papier nun die dunklen Linien ab. Ein einfaches Prinzip.Im 15. Jahrhundert entstehen erste Kupferstiche, Anfang des 16. Jahrhunderts bahnt sich die Technik der Radierung in der Ätzkunst ihren Weg. Dabei wird nicht mehr direkt ins Metall gegraben, sondern in eine Beschichtung aus Wachs und Asphalt oder Harz. Da wo die Radiernadel die Platte freigelegt hat, dringt im Ätzbad die Säure ein und frißt sich ins Metall, bewirkt die Graben, die zum Farbträger werden, die Radierung ist geboren. Stich wie Radierung bestimmten die zeichnerischen Reproduktionstechniken während einer langen Zeit. Später kam die Kaltnadel hinzu, die sich via Stahlnadel direkt in die Platte gräbt und jenen bekannten Grat bewirkt, der die Technik auszeichnet. Ein dynamisches, spontan- gezieltes Vorgehen, das der Expression entgegenkommt. Im 18. Jahrhundert wird der Radierung mit der Aquatintatechnik eine weitere Gattung zugesellt, die auf der Basis der Radierung angelegt ist und, wie die anderen Drucktechniken auch, oft kombiniert auftritt. Hier werden Körnchen aus Kollophoniumstaub oder Harzstaub auf die Platte gestreut und angeschmolzen. Diese rufen beim Ätzvorgang eine feinkörnige Fläche hervor, woran sich beim Einfärben (mit dem Handballen) die Farbe verfängt. Damit gelangte zur Linienkunst des Grabstichels oder der Radiernadel die flächige Kunst der Aquatinta. Die in Hell-Dunkel-Abstufungen angelegte Tonalität und Kontrastierung erschlossen Möglichkeiten, die der Malerei die Türen zur Ätzkunst öffneten. Die Modalitäten sind geschaffen für die Übertragung von nuancierter Tusch- und Aquarellmalerei bis hin zur festgeformten flächigen Farbigkeit konstruktiver Kunst. Kombiniert mit der Radierung bietet sich nun für Fläche und Linie ein freies Ausdrucksfeld. Diesem Aufbruch nahm sich das 20. Jahrhundert besonders an, und es fügte die Aussprengtechnik, die Zucker-Aquatinta hinzu. Damit konnte auch der Pinsel und die Feder auf der Metallplatte zu freierem Einsatz kommen. Eine weitere Innovation ist die Karborundum-Radierung, ein Vorgehen, das die Graphik des späten 20. Jahrhunderts großzügig mitbestimmt. Über eine stark haftende Leimbindung wird das Karborundumkorn aufgestreut, im Gegensatz zur Aquatinta, wo der strukturelle Raster eingeätzt wird. Fortsetzung (Die Lithographie) |